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Testament-Ratgeber für Eltern ohne Trauschein mit Kindern

Diese Punkte sollten unverheiratete Eltern beachten

Nichteheliche Lebensgemeinschaften mit einem oder mehreren Sprösslingen werden immer häufiger, dennoch überwiegt nach wie vor die Zahl der verheirateten Eltern mit Nachwuchs. Im Jahr 2005 lebten in Deutschland 770.000 Paare ohne Trauschein mit mindestens einem Kind zusammen. Zum Vergleich: Gleichzeitig betreuten 9,3 Millionen verheiratete Eltern ein Kind oder mehrere. Demnach kamen auf 100 verheiratete Paare mit Kind(ern) nur etwa 8,3 ledige Paare, die mit ihrem Nachwuchs zusammenlebten. Zu der Gruppe der „unverheirateten Eltern mit Kindern“ zählen jedoch weitere 2,6 Millionen Alleinerziehende, wovon mehr als eine Million geschieden sind.

 

Gesetzliche Erbfolge bei unverheirateten Eltern mit Kindern

Unverheiratete Eltern, die ohne letztwillige Verfügung sterben, werden kraft Gesetzes von ihrem Kind oder ihren Kindern (zu gleichen Teilen) beerbt. Dabei spielt es heute keine Rolle mehr, ob es sich um eheliche oder uneheliche Kinder handelt.

Zu beachten ist, dass Pflegekinder, die von einer Familie aufgenommen wurden, erb- und pflichtteilsrechtlich völlig leer ausgehen, diese Situation ändert sich nur, wenn die Pflegeeltern ihre Pflegekinder adoptieren. Das seit dem 1.1.1977 reformierte Adoptionsrecht unterscheidet zwischen Minderjährigen- und Volljährigen-Adoptionen:

  • Für minderjährige Kinder gilt grundsätzlich die Volladoption, das heißt, das minderjährige Kind wird Erbe der Adoptiveltern und das Verwandtschaftsverhältnis zur leiblichen Familie wird aufgehoben. Wenn also der leibliche Vater oder die leibliche Mutter des Adoptivkindes stirbt, bestehen keinerlei erb- oder pflichtteilsrechtlichen Ansprüche.
  • Anders ist die Rechtslage bei der Adoption Erwachsener. Hier bleibt nach der Adoption das Verwandtschaftsverhältnis zu den leiblichen Eltern aufrecht; lediglich zwischen dem Adoptivkind und den Verwandten der leiblichen Eltern besteht kein Erbrecht. Wenn also der Vater des Adoptivkindes vorverstorben ist und der Großvater stirbt, wird das Adoptivkind erbrechtlich nicht am Nachlass des Großvaters beteiligt.

Tipp von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht und Spezialist für Testamentsgestaltung:

Welche erbrechtlichen Positionen ein Adoptivkind am Nachlass der Adoptiveltern und unter Umständen der leiblichen Verwandtschaft zukommt, geht aus dem Adoptionsbeschluss des Vormundschaftsgerichts hervor; ohne eine Einsichtnahme in diesen Beschluss sind hier keine qualifizierten Aussagen zu machen. Zu beachten ist weiter, dass für Adoptionen aus der Zeit vor dem 1.1.1977 spezielle Regelungen bestehen. Bei solchen Fällen sollte ein Fachanwalt für Erbrecht die erb- und unterhaltsrechtlichen Wirkungen einer Adoption prüfen.

 

Sorgerecht im Testament regeln

Unverheiratete Eltern mit Kindern, die keine letztwillige Verfügung errichten, sollten es nicht den – für den Laien verwirrenden – gesetzlichen Regelungen überlassen, wer Erbe wird und wer nichts aus dem Nachlass erhält. Verantwortungsvolle Mütter und Väter sollten die Versorgung ihrer Kinder für den Erbfall vorausschauend klar formuliert in einer letztwilligen Verfügung individuell regeln und sich nicht auf gesetzgeberische Standardlösungen verlassen, die teilweise auch antiquierten Vorstellungen folgen. Für alleinerziehende Mütter oder Väter bietet eine letztwillige Verfügung auch die Möglichkeit, das Sorgerecht für den vererbten Nachlass speziell zu regeln und damit den anderen Elternteil von dieser Aufgabe auszuschließen. So kann zum Beispiel eine alleinerziehende Mutter per Testament bestimmen, dass nach ihrem Tod für die Verwaltung ihres Nachlasses ihre Schwester und nicht der leibliche Vater zuständig sein soll.

 

Problem Erbengemeinschaft

Besonders nachteilig ist das Eingreifen der gesetzlichen Erbfolge dann, wenn mehrere Erben eine Erbengemeinschaft bilden. Die meisten Entscheidungen innerhalb dieser Erbengemeinschaft erfordern Einstimmigkeit, wodurch notwendige Verwaltungsmaßnahmen verhindert werden können. Die Veräußerung von Nachlassgegenständen, zum Beispiel der Eigentumswohnung oder des Einfamilienhauses, kann durch „querulierende“ Miterben blockiert werden. Die Folge: Eine Lösung lässt sich nur durch Antrag auf Teilungsversteigerung der Nachlassimmobilie erzielen. Der dabei erzielbare Kaufpreis liegt oft deutlich unter dem eigentlichen Wert, sodass schlussendlich Vermögenswerte zum Teil vernichtet werden und die Versorgung der Kinder gefährdet wird.

 

Das Testament für unverheiratete Eltern mit Kindern

Nicht verheiratete Eltern, die für den Erbfall mittels letztwilliger Verfügung vorsorgen wollen, müssen sich zunächst darüber klar werden, ob vorrangig der Lebenspartner oder das bzw. die Kinder des Verstorbenen als Erben eingesetzt werden. Danach kann die Frage geregelt werden, wie der Rest der Familie durch Vermächtnisse versorgt wird. (Die Unterscheidung zwischen Erbe und Vermächtnis wird hier erläutert.)

 

Testament Muster „Der Lebenspartner wird Alleinerbe; die Kinder erhalten Vermächtnisse“

Beispiel:

Max Moormann und Frauke Fink sind nicht verheiratet und haben einen gemeinsamen Sohn. Herr Moormann möchte seine Lebenspartnerin als Alleinerbin einsetzen und den Sohn Simon durch Vermächtnisse für den Erbfall umfassend absichern. Herr Moormann könnte folgendes Einzeltestament errichten:

Mein letzter Wille

1. Ich, Max Moormann, geboren am 16.5.1956, derzeit wohnhaft in 80798 München, Augustenstraße 10, setze meine Lebensgefährtin, Frauke Fink, geboren am 21.1.1961, derzeit wohnhaft in 80798 München, Augustenstraße 10, zu meiner alleinigen Vollerbin ein.

Ersatzerbe ist unser Sohn Simon Fink, geboren am 23.3.1985.

2. Mein Sohn Simon Fink erhält vermächtnisweise

a) einen Geldbetrag von 200.000 Euro;

b) meinen Oldtimer, Marke Jaguar, E-Type;

c) ein lebenslanges Wohnrecht an meiner Ferienwohnung in Kitzbühel, Kufsteiner Straße 3.

d) Für obige Vermächtnisse bestimme ich ausdrücklich keinen Ersatzvermächtnisnehmer.

München, den 1.8.2009             Max Moormann

Tipp von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht und Spezialist für Testamentsgestaltung:

Die Alleinerbeneinsetzung des Partners ohne Trauschein führt dazu, dass nicht die Kinder des Erblassers erben (auch wenn sie Vermächtnisse erhalten). Diese enterbten Abkömmlinge sind jedoch gemäß § 2303 BGB pflichtteilsberechtigt und können nicht unerhebliche Zahlungsansprüche gegen den eingesetzten Erben geltend machen. Die Höhe der Pflichtteilsquote können Sie hier. Für den Erblasser bestehen aber einige Möglichkeiten, dieses Pflichtteilsrisiko zu begrenzen. Diese Gestaltungsmöglichkeiten sind ausführlich hier dargestellt.

 

Achtung Steuerfalle

Lebensgefährten, die ihre Partner beerben, unterliegen einer außerordentlich hohen Erbschaftsteuerbelastung, da der Freibetrag nur 20.000 Euro beträgt und der Steuersatz zwischen 30 und 50 Prozent liegt. Einzelheiten zu dieser Erbschaftsteuerbelastung finden Sie hier

 

Vermächtnis statt Erbeinsetzung

Die Alleinerbeneinsetzung des Partners ohne Trauschein ist im Hinblick auf das Pflichtteilsrisiko und die Steuerbelastung daher meist nicht empfehlenswert. Es sollte deshalb über die nachfolgende Alternative nachgedacht werden, bei der das oder die Kinder Erben werden und der Lebenspartner in Form eines Vermächtnisses versorgt wird.

 

Testament Muster „Die Kinder werden Erben; der Lebenspartner erhält Vermächtnisse“

Beispiel:

Max Moormann und Frauke Fink leben in nichtehelicher Lebensgemeinschaft und haben einen gemeinsamen Sohn. Nachdem das Paar von einem Fachanwalt für Erbrecht darüber informiert wurde, dass eine Erbeinsetzung des Lebenspartners nicht nur zu einer Pflichtteilshaftung, sondern auch zu erheblichen Steuernachteilen führen kann, errichten sie folgende Einzeltestamente:

Mein letzter Wille

1. Ich, Max Moormann, geboren am 16.5.1956, derzeit wohnhaft in München, Obermenzinger Straße 3, setze meinen Sohn Simon Fink, geboren am 18.8.1978, als Alleinerben ein.

Zu Ersatzerben bestimme ich dessen Abkömmlinge nach den Regeln der gesetzlichen Erbfolgeordnung, wiederum ersatzweise soll meine Lebensgefährtin Frauke Fink, geboren am 21.1.1961, Erbin werden.

2. Meine Lebensgefährtin Frauke Fink, geboren am 21.1.1961, erhält folgende Vermächtnisse:

a) Meine Lebensgefährtin Frauke Fink erhält ein lebenslanges Wohnrecht an meinem Einfamilienhaus in München, Obermenzinger Straße 3.

b) Meine Lebensgefährtin Frauke Fink erhält weiter den gesamten Hausrat und das Inventar des Einfamilienwohnhauses in München, Obermenzinger Straße 3, einschließlich des Pkws und aller persönlichen Gegenstände.

c) Meine Lebensgefährtin Frauke Fink erhält ein Geldvermächtnis in Höhe von 200.000 Euro.

d) Für obige Vermächtnisse bestimme ich ausdrücklich keinen Ersatzvermächtnisnehmer.

München, den 1.8.2009             Max Moormann

 

Mein letzter Wille

1. Ich, Frauke Fink, geboren am 21.1.1961, derzeit wohnhaft in München, Obermenzinger Straße 3, setze meinen Sohn Simon Fink, geboren am 18.8.1978, als Alleinerben ein.

Zu meinem Ersatzerben bestimme ich dessen Abkömmlinge nach den Regeln der gesetzlichen Erbfolgeordnung, wiederum ersatzweise meinen Lebensgefährten Max Moormann.

2. Meinem Lebensgefährten Max Moormann wende ich folgende Vermächtnisse zu:

a) Mein Lebensgefährte Max Moormann erhält ein lebenslanges Wohnrecht an meiner Ferienimmobilie in Kitzbühel, Kufsteiner Straße 3.

b) Mein Lebensgefährte Max Moormann erhält mein gesamtes Aktiendepot bei der Stadtsparkasse München.

c) Mein Lebensgefährte Max Moormann erhält sämtliche Bücher, Schallplatten und CDs, die sich bei meinem Ableben in meinem Eigentum befinden.

d) Für obige Vermächtnisse bestimme ich ausdrücklich keinen Ersatzvermächtnisnehmer.

München, den 1.8.2009             Frauke Finke

Tipp von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht und Spezialist für Testamentsgestaltung:

Setzen Paare ohne Trauschein ihre Kinder als Erben ein, steht jedem Kind beim Tod des Vaters bzw. beim Tod der Mutter ein Erbschaftsteuerfreibetrag in Höhe von 400.000 Euro zu. (Einzelheiten dazu finden sie hier)

 

Steuerbelatung beachten

Die Vermächtnisse zugunsten des Lebenspartners werden vom Finanzamt nach speziellen Richtlinien bewertet und der Erbschaftsteuer unterworfen. Diese Steuerbelastung ist aber im Regelfall deutlich geringer als die Besteuerung bei einer Alleinerbeneinsetzung des Lebenspartners. Der Wert der Vermächtnisse, die der Lebenspartner erhält, wird als Abzugsposten bei der Ermittlung der Erbschaftsteuer, die die Kinder zu tragen haben, berücksichtigt.

Tipp von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht und Spezialist für Testamentsgestaltung:

Den als Erben eingesetzten Kindern steht grundsätzlich kein Pflichtteilsanspruch zu. Etwas anderes würde nur dann gelten, wenn die vom Erblasser angeordneten Vermächtnisse dazu führen, dass den Erben im Ergebnis zu wenig vom Nachlass verbleibt. In diesem Fall werden die als Erben eingesetzten Abkömmlinge eventuell gemäß § 2306 BGB die Erbschaft ausschlagen und ihren Pflichtteil einfordern.

Dem Testierenden muss also immer bewusst sein, dass er seine pflichtteilsberechtigten Kinder wirtschaftlich vernünftig absichern muss, um zu verhindern, dass seine testamentarischen Anordnungen nach einer Ausschlagung der Kinder ins Leere laufen.

 

Testament Muster „Das Paar ohne Trauschein möchte gemeinsam letztwillig verfügen“

Beispiel:

Max Moormann und seine Lebensgefährtin Frauke Fink möchten in einer gemeinsamen letztwilligen Verfügung für den Erbfall vorsorgen und wünschen, dass beim Tod des länger Lebenden der gemeinsame Sohn Simon Fink Erbe wird. In einer Beratung durch einen Fachanwalt für Erbrecht haben sie erfahren, dass nur Eheleute (sowie gleichgeschlechtliche, eingetragene Lebenspartnerschaften) ein gemeinschaftliches Testament errichten können (Einzelheiten dazu finden sie hier). Der Erbrechtsexperte rät deshalb dem Paar folgenden Erbvertrag zu errichten, der allerdings der notariellen Beurkundung bedarf:

Erbvertrag

1. Verfügung für den ersten Todesfall

Wir, Herr Max Moormann, geboren am 16.5.1956, und Frau Frauke Finke, geboren am 21.1.1961, setzen uns in erbvertraglich bindender Weise gegenseitig zum alleinigen Vollerben unseres gesamten Vermögens ein.

2.) Verfügung für den zweiten Todesfall

a) Schlusserbe beim Tod des Überlebenden von uns ist unser Sohn Simon Fink, geboren am 18.8.1978.

b) Zu Ersatzerben berufen wir die Abkömmlinge unseres Sohnes Simon nach gesetzlicher Erbfolgeordnung.

München, den 1.8.2009             Max Moormann

München, den 1.8.2009             Frauke Fink

(Beurkundungsvermerk des Notars)

 In einem Erbvertrag muss immer geregelt werden, welche Verfügungen vertraglich bindend sind und welche Anordnungen nach dem Tod des Erstversterbenden noch abgeändert oder widerrufen werden können. Der beurkundende Notar kann hierzu ausführlich beraten. Unverheiratete Paare sollten sämtliche Anordnungen im Erbvertrag für den Fall, dass die nichteheliche Lebensgemeinschaft „in die Brüche geht“, widerruflich gestalten.

 

Das Testament für alleinerziehende Mütter und Väter

Alleinerziehenden Eltern wird es vorrangig darauf ankommen, ihre Kinder für den Erbfall abzusichern; der leibliche Vater bzw. die leibliche Mutter des Kindes soll im Regelfall nichts aus dem Nachlass erhalten.

 

Testament Muster „Testament Alleinerziehender“

Frauke Fink, alleinerziehende Mutter, möchte, dass ihr gesamtes Vermögen nach ihrem Ableben ihrem Sohn Simon Fink zufällt. Sie könnte folgendes Einzeltestament errichten:

Mein letzter Wille

Ich, Frauke Fink, geboren am 21.1.1961, setze meinen Sohn Simon Fink, geboren am 18.8.1978, zu meinem alleinigen Erben ein.

Ersatzerben sind die Abkömmlinge meines Sohnes Simon nach den Regeln der gesetzlichen Erbfolgeordnung.

München, den 1.8.2009             Frauke Fink

Tipp von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht und Spezialist für Testamentsgestaltung:

Alleinerziehende Elternteile, die ihre Kinder als Erben bestimmt haben, sollten beachten, dass für den Fall dass das Kind nach dem eigenen Tod stirbt, der noch lebende Elternteil gesetzlicher Erbe wird (vorausgesetzt, das Kind ist unverheiratet, hat selbst noch keine eigenen Kinder und kein Testament errichtet). Auf dem Umweg über gemeinsame Kinder können also Ex-Partner (aus Ehen und Partnerschaften ohne Trauschein) am eigenen Nachlass beteiligt werden – auch wenn die Beziehung mit den übelsten Scheidungs- und Trennungsauseinandersetzungen geendet hat und jeglicher Kontakt abgebrochen worden ist. Wer verhindern möchte, dass ein ehemaliger Partner zufällig über das „Rechtsinstitut“ der sogenannten Vor- und Nacherbschaft (Einzelheiten hierzu finden Sie hier) eine mehr oder weniger ansehnliche Erbschaft erhält, muss mit einer letztwilligen Verfügung vorsorgen. Diese Gestaltungsmöglichkeit wird ausführlich hier erläutert.



Auszeichnungen:

Magazin FOCUS
Magazin Wirtschaftswoche

Fachbuchautor:

Beck Verlag
Linde Verlag - Stern-Ratgeber

Mitglied:

Netzwerk Deutscher Erbrechtsexperten e.V.
Netzwerk Deutscher Testamentsvollstrecker e.V.