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Berliner Testament und Ehegattentestament

Die meisten Ehepartner betrachten ihr Vermögen als gemeinsames Eigentum, obwohl ihre Vermögen auch nach der Eheschließung rechtlich vollständig getrennt bleiben. Doch die Stunde der Wahrheit kommt, wenn das Nachlassgericht neben dem Ehepartner auch Kinder oder andere Verwandte als rechtmäßige Erben in den Erbschein aufnimmt. Mit einem Ehegattentestament kann man solche Überraschungen ausschließen. Weit verbreitet ist der Wunsch, dass die eigenen Kinder oder nahe Verwandte das Vermögen erst nach dem Tod des länger lebenden Ehepartners erben sollen.

Der Fachanwalt für Erbrecht, Bernhard F. Klinger, rät Ehepartnern deshalb, ein „Berliner Testament“ zu errichten, den überlebenden Ehegatten als Alleinerben, Vorerben oder Vermächtnisnehmer einzusetzen und die Kinder für den zweiten Erbfall zu begünstigen.

Das Wichtigste zum Berliner Testament

  • Mit einem Berliner Testament oder Ehegattentestament können Eheleute sich gegenseitig absichern.
  • Gemeinschaftliche Testamente können in notarieller und in privatschriftlicher Form errichtet werden.
  • Der Ehepartner kann im Berliner Testament als Alleinerbe, Vorerbe oder Vermächtnisnehmer eingesetzt werden.
  • Welche Einsetzung im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von der individuellen Situation der Eheleute ab.
  • Ein Fachanwalt für Erbrecht ist der richtige Ansprechpartner, wenn Sie ein Berliner Testament errichten möchten.

1. Warum sollte auch in einer funktionierenden Ehe die Erbfolge durch Testament geregelt werden?

Ohne letztwillige Verfügung (Testament oder Erbvertrag) greift gesetzliche Erbfolge ein, die verschiedene Nachteile hat:

  • Die wirtschaftlichen Folgen der gesetzlichen Erbfolge entsprechen oft nicht dem Willen des Erblassers. Eine besondere Fürsorge für schwächere Familienmitglieder ist nicht möglich.
  • Der überlebende Ehepartner und die Kinder des Erblassers bilden eine so genannte Erbengemeinschaft, bei der jedem Erben nur ein Anteil am Nachlass gehört. Dies bedeutet, dass nur alle Erben gemeinsam über den Nachlass verfügen können und dem einzelnen Mitglied der Erbengemeinschaft nicht automatisch einzelne Gegenstände zustehen. Die Miterben müssen sich deshalb über die Verwaltung und Nutzung des Nachlasses einigen. Da der Ehegatte mit Ausnahme des Vorauses nicht die alleinige Verfügungsgewalt über den Nachlass hat, ist er unzureichend versorgt.
  • Die Kinder des Erblassers können vom überlebenden Ehegatten jederzeit verlangen, dass der Nachlass geteilt wird. Verfügt der Ehegatte aber nicht über genügend Barmittel, um die Kinder auszuzahlen, können diese eine Nachlassteilung erzwingen. Dies kann beispielsweise zur Teilungsversteigerung des Hauses führen.
  • Auch wenn die Kinder darauf verzichten, sich ihren Erbteil auszahlen zu lassen und die Erbengemeinschaft weiter fortgesetzt wird, besteht für den überlebenden Ehegatten immer der Zwang zur Einigkeit mit den Kindern.
  • Die Möglichkeiten, die Erbschaftsteuer zu minimieren, werden ohne Testament regelmäßig vernachlässigt.
  • Gehört zum Nachlass ein Unternehmen, wird dessen Existenz durch die oftmals auftretende Handlungsunfähigkeit einer Erbengemeinschaft gefährdet. Wichtige unternehmerische Entscheidungen können deshalb nicht oder nur mit erheblicher Verzögerung getroffen werden. Hierdurch kann die Versorgung des überlebenden Ehegatten erheblich gefährdet werden.

Vermieden werden können diese Nachteile nur, wenn der verheiratete Erblasser durch ein klar formuliertes Testament oder einen Erbvertrag vorsorgt.

Ausführliche Informationen zur gesetzlichen Erbfolge

2. In welcher Form kann ein Berliner Testament errichtet werden?

Ehegatten und gleichgeschlechtliche eingetragene Lebenspartner können ein „gemeinschaftliches Testament“ in notarieller oder privatschriftlicher Form errichten. Im Fall einer handschriftlichen Errichtung ist es gemäß § 2267 BGB ausreichend, wenn einer der Partner den Text mit der Hand schreibt und dann beide unterzeichnen.

Expertentipp von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München

Gerade für deutsche Ehegatten, die Vermögen im Ausland haben oder mit einem Ausländer verheiratet sind, ist erbrechtlich größte Vorsicht geboten. Vornehmlich in romanischen Staaten, etwa in Italien, wird weder das gemeinschaftliche Ehegattentestament noch ein Erbvertrag anerkannt. Probleme können sich aber auch im Hinblick auf die ehelichen Güterstände eines anderen Staates ergeben. Hier schützt nur eine Beratung durch einen Fachanwalt für Erbrecht vor unangenehmen Überraschungen.

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3. Welchen Inhalt kann das Berliner Testament haben?

Den Ehegatten stehen verschiedene Möglichkeiten der testamentarischen Nachlassregelung zur Verfügung. Der überlebende Ehegatte kann eingesetzt werden als

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4. Welche Vor- & Nachteile hat die Einsetzung des Ehegatten als Alleinerben in einem Berliner Testament?

Die Ehepartner werden sich im Regelfall in Form eines gemeinschaftlichen Testamentes (§ 2269 BGB) wechselseitig zu Alleinerben einsetzen und nach dem Tode des Längerlebenden die gemeinsamen Kinder als Schlusserben bestimmen (so genanntes „Berliner Testament“). Von Vorteil ist, dass das Vermögen erst einmal uneingeschränkt auf den überlebenden Ehegatten übergeht. Hierdurch erhält er die alleinige Entscheidungsfreiheit über die Verwaltung, Nutzung und Veräußerung der Nachlassimmobilien.

Expertentipp zur Erbeinsetzung bei einem Berliner Testament

Die Frage, wer nach dem Tod des überlebenden Ehegatten das gemeinsame Vermögen erben soll, müssen die Eheleute in ihrem Testament festlegen, ansonsten würde nach dem Tod des längerlebenden Ehegatten die gesetzliche Erbfolge eingreifen. Erforderlich ist deshalb eine „Schlusserbenregelung“, die im Regelfall zu Gunsten der Abkömmlinge erfolgt. Anstelle der Kinder können die Eheleute auch Personen aus der Verwandtschaft, eine kirchliche Stiftung, karitative Vereinigung, einen Verein oder Verband oder sonstige Organisationen als Schlusserben einsetzen.

Ein Nachteil der Alleinerbeneinsetzung des anderen Ehegatten ist, dass die Abkömmlinge im ersten Erbfall enterbt sind und deshalb einen Pflichtteils­anspruch oder Pflichtteils­ergänzungsanspruch gegen den überlebenden Ehegatten geltend machen können. Bei größeren Nachlässen ist weiter von Nachteil, dass diese Form des Ehegattentestaments eine Steuerfalle darstellen kann.

5. Welche Vor- und Nachteile hat die Einsetzung des Ehegatten als Vorerben?

Nach einer anderen Variante des Ehegattentestaments wird der überlebende Ehegatte als „Vorerbeund die Kinder als „Nacherben“ eingesetzt. Der Nachlass des verstorbenen Ehegatten bildet dann ein Sondervermögen, über das der überlebende Ehegatte zu Lebzeiten nur in engen Grenzen verfügen kann: Schenkungen sind generell nicht zulässig und Nachlassimmobilien dürfen weder veräußert noch belastet werden. Vorteil dieser Lösung ist die Sicherung des Erbes für die gemeinsamen Kinder. Es ist aber möglich, dass der Erblasser den Vorerben teilweise von diesen Beschränkungen befreit. Von Nachteil ist die stark eingeschränkte Handlungsfähigkeit des überlebenden Ehegatten. Im Notfall (etwa bei Liquiditätsengpässen oder im Pflegefall) kann sich dies zu einem gravierenden Problem auswachsen.

Expertentipp von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München

Die Anordnung einer Vor- und Nacherbschaft ist rechtlich äußerst problematisch und sollten Sie deshalb nur nach eingehender Beratung durch einen Fachanwalt für Erbrecht vornehmen. So entstehen etwa steuerliche Nachteile, da sowohl bei Eintritt des Vorerbfalls als auch im Nacherbfall Erbschaftsteuer anfällt. Aufgrund der einschneidenden Verfügungsbeschränkung des Vorerben wird oftmals auch der Familienfrieden gestört, da einem juristischen Laien die vielfältigen Verpflichtungen des Vorerben nicht bekannt sind und zwischen Vor- und Nacherben häufig über die Verwaltung der Vorerbschaft gestritten wird.

6. Welche Vor- und Nachteile hat die Einsetzung des Ehegatten als Vermächtnisnehmer?

Alternativ zur Erbeneinsetzung des Ehegatten können auch das oder die Kinder als Erben bestimmt und dem Ehepartner im Rahmen eines Vermächtnisses ein Wohn- oder Nießbrauchsrecht zugewendet werden.

Von Vorteil ist, dass hierdurch verhindert wird, dass die Kinder Pflichttteisansprüche gegen den überlebenden Ehegatten geltend machen können. Auch die Nachteile der bei gesetzlicher Erbfolge eingreifenden Erbengemeinschaft werden für den überlebenden Ehegatten vermieden. Diese Lösung hat aber für den überlebenden Ehegatten auch Nachteile: Das Wohn- oder Nießbrauchsrecht stellt zwar eine relativ gute Absicherung für den überlebenden Ehegatten dar; dieser kann bei einer Erbeinsetzung der Kinder über Nachlassgegenstände aber weder verfügen noch diese belasten.

Auführliche Informationen zum Nießbrauch und Nießbrauchrecht

Expertentipp von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München

Im Ehegattentestament sollte ausdrücklich festgelegt werden, ob die Verfügungen wechselbezüglich und damit bindend sind oder der überlebende Ehegatte befugt ist, von einer ursprünglich getroffenen Schlusserbenregelung nach seinem Gutdünken abzuweichen. Dies kann erforderlich werden, wenn z.B. eine Person aus der Verwandtschaft bedürftig wird und der Witwer bzw. die Witwe diesem Verwandten (z.B. für erbrachte Pflegleistungen) etwas zukommen lassen möchte.

7. Kann der Erblasser die Bindungswirkung eines Berliner Testaments durch lebzeitige Schenkungen unterlaufen?

Der überlebende Ehegatte versucht oftmals die vom Gesetzgeber angeordnete Bindungswirkung eines Ehegattentestaments dadurch zu unterlaufen, indem er seinen späteren Nachlass oder Teile hiervon durch lebzeitige Schenkungen schmälert und dieses Vermögen nicht denjenigen Personen zuwendet, die im Ehegattentestament benannt sind, sondern hiervon abweichend.

Nach der Rechtsprechung müssen diese Zuwendungen nach dem Tod des Schenkers an dessen Erben dann in entsprechender Anwendung des § 2287 BGB zurückgegeben werden, wenn dieser für die Vornahme der Schenkung kein so genanntes „lebzeitiges Eigeninteresse“ hatte. Die Schenkung ist also nur dann bestandsfest, wenn der Witwer oder die Witwe den Beschenkten für bisher erbrachte Pflege belohnen, einen Anreiz für zukünftige Pflege geben oder dessen Altersversorgung sicherstellen wollen.

Lesen Sie dazu: Schenkungen und vorweggenommene Erbfolge

8. Was versteht man unter einem Berliner Testament?

Das „Berliner Testament“ ist eine besondere Form des Ehegattentestamentes und bedeutet, dass sich die Eheleute zunächst gegenseitig und anschließend die Kinder als Erben einsetzen (§ 2269 BGB). Die Wirkungen dieses Testamentes sind sehr unterschiedlich:

  • Der überlebende Ehegatte kann nach einer Alternative des Berliner Testamentes als alleiniger „Vollerbe“ und die Kinder als „Schlusserben“ bestimmt werden. Das Vermögen geht dann erst einmal uneingeschränkt auf den überlebenden Ehegatten über, der hierüber zu Lebzeiten frei verfügen kann.
  • Nach einer anderen Alternative wird der überlebende Ehegatte als „Vorerbe“ und die Kinder als „Nacherben“ eingesetzt.

Welche Variante des Berliner Testamentes von den Ehegatten gewollt war, muss durch Auslegung ermittelt werden.

9. Wieso besteht beim Berliner Testament ein Pflichtteilsrisiko?

Eine Gefahr des Berliner Testamentes ist die Belastung des überlebenden Ehegatten mit Pflichtteilsansprüchen: Die gegenseitige Alleinerbeneinsetzung der Ehegatten bedeutet gleichzeitig eine Enterbung der Kinder für den ersten Erbfall. Besteht der Nachlass z.B. überwiegend aus einer Immobilie, führt der durch die Enterbung entstehende Pflichtteilsanspruch oder Pflichtteilsergänzungsanspruch der Kinder u.U. zu Liquiditätsproblemen mit der Folge, dass das Haus verkauft werden muss, um den Pflichtteil auszahlen zu können. Dem überlebenden Ehegatten kann damit die Lebensgrundlage für den Alters- und Pflegefall entzogen werden. Die Eltern sollten deshalb noch zu Lebzeiten versuchen, mit den Kindern einen Pflichtteilsverzicht, ggf. gegen Zahlung einer Abfindung im Rahmen eines notariell zu beurkundenden Vertrages zu vereinbaren.

Ausführliche Informationen zum Berliner Testament und Pflichtteil

Expertentipp von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München

Sind die Kinder nicht bereit, auf ihren Pflichtteil zu verzichten, sollten Sie zumindest so genannte Pflichtteilsklauseln in Ihr Testament aufnehmen. Durch diese Anordnungen wird dasjenige Kind, das beim Tod des ersten Ehegatten seinen Pflichtteil verlangt, auch für den Tod des überlebenden Ehegatten enterbt und erhält dann wieder nur den Pflichtteil.

Der gesetzliche Pflichtteilsanspruch von Kindern

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Wozu dient eine testamentarische Wiederverheiratungsklausel bei einem Berliner Testament?

Nicht selten heiratet die Witwe bzw. der Witwer nach dem Tod des Ehegatten wieder. Da der neue Ehegatte mit der Eheschließung erb- und pflichtteilsberechtigt am Nachlass der wiederverheirateten Witwe bzw. Witwers wird, besteht für die im Berliner Testament eingesetzten Schlusserben (im Regelfall also die Kinder) die Gefahr, dass hierdurch Vermögen an den neuen Ehepartner abfließt und so der spätere Nachlass zu Lasten der Kinder geschmälert wird.

Testierende Eheleute, die dies verhindern wollen, können in ihr Testament eine so genannte Wiederverheiratungsklausel aufnehmen. Danach soll der Nachlass ganz oder teilweise bereits dann auf die Schlusserben übergehen, wenn der überlebende Ehegatte eine neue Ehe eingeht. Ziel einer derartigen testamentarischen Anordnung ist es, das Eigenvermögen der Witwe bzw. des Witwers rechtlich zu trennen vom Nachlass mit der Folge, dass der neue Ehepartner nur am Eigenvermögen, aber nicht am Nachlass Erb- oder Pflichtteilsrechte geltend machen kann. In der Praxis wird dies erreicht durch eine bedingte Vor- und Nacherbschaft bzw. durch ein Herausgabevermächtnis.

Expertentipp von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München

Die rechtliche Konstruktion einer Wiederverheiratungsklausel ist außerordentlich kompliziert und hängt insbesondere davon ab, welche Gestaltungsvariante die Eheleute für ihr gemeinschaftliches Testament gewählt haben. Es empfiehlt sich deshalb zwingend den Rat eines Fachanwalts für Erbrecht einzuholen.

Welche Auswirkungen hat eine Scheidung auf ein früher errichtetes Berliner Testament?

Die Wirksamkeit einer letztwilligen Verfügung zugunsten des Ehegatten ist davon abhängig, ob die Ehe, wenn der Erblasser stirbt, noch besteht. Ein Ehegattentestament kann aber ausnahmsweise die Ehe überdauern, wenn sich entweder aus dem Wortlaut des Testamentes oder durch Auslegung ergibt, dass der Erblasser den Ehegatten auch im Falle der Scheidung bedenken wollte. Um Auslegungsstreitigkeiten von vorneherein auszuschließen, sollte im Testament ausdrücklich festgelegt werden, ob die Verfügung auch bei Eintritt der Scheidung wirksam bleiben soll oder nicht.

Expertentipp von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München

Wer sich scheiden lässt und sich Klarheit über seine bisher verfassten letztwilligen Verfügungen verschaffen will, ist gut beraten, nach Abschluss des Scheidungsverfahrens durch einen Fachanwalt für Erbrecht überprüfen zu lassen, ob dem früheren Ehegatten ein testamentarisches Erbrecht zusteht.

Zum Testament-Ratgeber für Geschiedene

Form des Berliner Testamentes

Testamente (also Einzeltestamente oder gemeinschaftliche Testamente von Ehegatten) können entweder eigenhändig oder in notarieller Form errichtet werden. Beide Varianten entfalten die identische Wirkung und unterscheiden sich nur im Hinblick auf den Zeit- und Kostenaufwand. Der klassische Fall der Errichtung eines Berliner Testamentes ist, dass ein Ehegatte den gesamten Text des Testamentes eigenhändig schreibt, diesen Text dann – mit Ort, Datum versehen – unterzeichnet und im Anschluss daran der andere Ehegatte handschriftlich vermerkt: „Dies ist auch mein letzter Wille“ und wiederum mit Ort, Datum, Vor- und Familienname unterzeichnet.

Mustertext für ein Berliner Testament

Ein einfaches Berliner Testament könnte wie folgt lauten:

„Wir, die Ehegatten ………., setzen uns im ersten Erbfall gegenseitig zu Alleinerben ein. Im zweiten Erbfall erben unsere Kinder zu gleichen Teilen.“

Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München,

weist darauf hin, dass spätere Ergänzungen des Ehegattentestamentes, die jederzeit möglich sind, wiederum von beiden Eheleuten mit Ort, Datum, Vor- und Familienname unterzeichnet werden müssen. Diese Ergänzung kann entweder am Ende des Originals des früheren Ehegattentestamentes oder auf einem gesonderten Schriftstück erfolgen.

Das „Berliner Testament“ als Steuerfalle

Bei größeren Vermögen, die der länger lebende Ehegatte erbt, kann das Berliner Testament durchaus eine „Steuerfalle“ darstellen, die allerdings bei kluger Testamentsgestaltung vermieden werden kann. Wie das funktioniert, zeigt das folgende Rechenbeispiel:

Beispiel

Das Ehepaar Max und Frauke Moormann hat in einem Ehevertrag Gütertrennung vereinbart und in einem späteren „Berliner Testament“ sich wechselseitig als alleinige Vollerben und das einzige Kind, die Tochter Theresa, als Schlusserbin eingesetzt. Als Max Moormann stirbt, hinterlässt er ein Vermögen (Einfamilienhaus, Aktien, Mobilien) mit einen Wert von 1,5 Millionen Euro.

Die Erbschaftsteuerbelastung der Witwe errechnet sich wie folgt:
Nachlass von Max Moormann 1.500.000 Euro
abzüglich Steuerfreibetrag der Witwe 500.000 Euro
zu versteuern 1.000.000 Euro
19% Erbschaftsteuer hieraus 190.000 Euro

Dieser nicht unbeträchtliche Betrag ist zeitnah nach dem Erbfall von der Witwe an das Finanzamt zu überweisen.

Hätte das Ehepaar Moormann vor der Errichtung ihres Testamentes fachkundigen Rat eingeholt, hätte es für den ersten Erbfall ein Steuerfreibetragsvermächtnis mit folgendem Wortlaut aufnehmen können:

„Im ersten Erbfall erhält unsere Tochter Theresa vermächtnisweise einen Geldbetrag von 400.000 Euro.“

Das Finanzamt würde dann nach dem Tod von Herrn Moormann folgende Erbschaftsteuerberechnung vornehmen:

Das Vermächtnis zugunsten der Tochter Theresa wird nicht besteuert, da sie einen Erbschaftsteuerfreibetrag von 400.000 Euro in Anspruch nehmen kann.

Die Steuerbelastung der Witwe errechnet sich wie folgt:
Nachlass von Max Moormann 1.500.000 Euro
abzüglich Vermächtnis zugunsten Theresa 400.000 Euro
abzüglich Steuerfreibetrag der Witwe 500.000 Euro
zu versteuern 600.000 Euro
19% Erbschaftsteuer hieraus 114.000 Euro

Durch die Anordnung des Vermächtnisses ergibt sich somit eine Steuerersparnis für die Witwe in Höhe von 76.000 Euro.

Tipp von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht und Spezialist für Testamentsgestaltung:

„Steuerfreibetragsvermächtnisse“ können aber auch erhebliche Nachteile bringen. Besteht etwa der Nachlass des zuerst verstorbenen Ehegatten überwiegend aus Immobilien, so wird die Witwe ein Geldvermächtnis zugunsten des Kindes kaum ohne Gefährdung der eigenen finanziellen Vorsorge auszahlen können. Es mag zwar im Einzelfall vorkommen, dass Kinder im Falle von Liquiditätsproblemen des Elternteils darauf verzichtet, das Vermächtnis einzufordern; hierauf sollte man sich aber nicht verlassen, da vor allem bei einem gespannten Verhältnis zwischen Witwe bzw. Witwer und dem Kind bzw. Schwiegerkindern auf die Auszahlung des Vermächtnisses gepocht wird.

Noch viel gravierendere Konsequenzen hätte folgendes Steuerfreibetragsvermächtnis:

„Die Abkömmlinge erhalten im ersten Erbfall ein Geldvermächtnis in Höhe des zum Zeitpunkt des Erbfalls geltenden Erbschaftsteuerfreibetrages.“

Hatte das Ehepaar zum Zeitpunkt der Testamentserrichtung zum Beispiel zwei Kinder und lagen die Erbschaftsteuerfreibeträge bis zum 31.12.2008 bei jeweils 205.000 Euro, so ist es der Witwe vielleicht gerade noch möglich, das Geldvermächtnis in Höhe von insgesamt 410.000 Euro auszuzahlen. Wenn aber zwischen der Testamentserrichtung und dem ersten Erbfall noch ein weiteres Kind hinzugekommen ist und – wie dies zum 1.1.2009 der Fall war – der Gesetzgeber den Erbschaftsteuerfreibetrag auf 400.000 Euro je Kind angehoben hat, dann wird die Witwe nicht in der Lage sein, den Vermächtnisbetrag in Höhe von insgesamt 1.200.000 Euro auszuzahlen.

Steuerfreibetragsvermächtnisse bieten zwar eine legale Möglichkeit, die Steuerbelastung der Hinterbliebenen effektiv zu reduzieren. Diese Anordnungen können aber andererseits den länger lebenden Ehegatten in erhebliche Liquiditätsprobleme manövrieren. Erbrechts- und Steuerexperten haben aber in den letzten Jahren „wasserdichte“ Steuerfreibetragsvermächtnisse entwickelt, die helfen, maximal Steuern zu sparen und andererseits den finanziellen Bedarf des länger lebenden Ehegatten für die Altersversorgung und Pflege sicherzustellen. Da diese Klauseln aber außerordentlich komplex sind, sie in diesem Ratgeber bewusst nicht näher erläutert, da sie den Rahmen dieses Buches sprengen würden. Derartige Steuerfreibetragsklauseln sollten auf keinen Fall ohne Beratung durch einen Erbrechts- und Steuerexperten in ein Testament aufgenommen werden. Die Kosten der Beratung machen meist nur einen Bruchteil der möglichen Steuerersparnis aus.

Berliner Testament mit einem Fachanwalt für Erbrecht in München errichten

Ein Berliner Testament ist eine gute Möglichkeit für Eheleute, um sich gegenseitig für den Todesfall abzusichern und die Kinder an der vorzeitigen Forderung ihrer Pflichtteile zu hindern. Um sicherzugehen, dass Ihr Berliner Testament keine Formfehler enthält, sollten Eheleute bei der Testamentserrichtung die Hilfe eines erfahrenen Anwalts in Anspruch nehmen.

Als Experte für Testamentsgestaltung in München helfe ich Ihnen jederzeit bei der Testamentserrichtung und ermögliche Ihnen so eine Nachlassplanung, die genau Ihren Wünschen entspricht. Nehmen Sie jetzt Kontakt zu mir auf!

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