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Testament-Ratgeber für Alleinstehende

Das sollten Singles und Alleinstehende beachten

Eine ledige, kinderlose und alleinstehende Person kann per Testament einen oder mehrere „Wunscherben“ völlig frei bestimmen. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Eltern eines kinderlosen Erblassers von dem per Testament eingesetzten Erben ihren „Pflichtteil“ fordern können.

 

Auch "Singles" sollten vorsorgen

Immer mehr Menschen sind alleinstehend und unverheiratet. Im Jahr 2005 zählten in Deutschland 4,4 Millionen Männer und etwa 3 Millionen Frauen zu dieser Personengruppe. Demnach waren jeder 10. Mann und jede 14. Frau alleinstehend und unverheiratet. Doch nur für einen Teil dieser Gruppe trifft die Klassifikation „alleinstehend und ledig“ auf Dauer zu. Viele Menschen leben zunächst alleine und ohne Bindung an einen Lebens- oder Ehepartner, etwa nach dem Auszug aus der elterlichen Wohnung, während des Studiums oder in den ersten Jahren der Berufstätigkeit. Auf das „Single-Dasein“ folgt jedoch meistens eine Phase der Partnerschaft, die nicht selten in eine Familienphase mit Kindern mündet.





Gesetzliche Erbfolge beim kinderlosen Erblasser

Gesetzliche Erben einer ledigen und kinderlosen Person, die zum Beispiel bei einem Unfall, aufgrund einer Krankheit oder aus Altersgründen verstirbt, sind zunächst einmal die sogenann­ten Erben 2. Ordnung (§ 1925 BGB) – also die Eltern. Dies gilt auch für sprichwörtliche „Rabenmütter“ oder „Rabenväter“, die sich nie um ihre Kinder gekümmert oder nicht einmal Alimente gezahlt haben.

§ 1925 BGB Gesetzliche Erben zweiter Ordnung

(1) Gesetzliche Erben der zweiten Ordnung sind die Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge.

(2) Leben zur Zeit des Erbfalls die Eltern, so erben sie allein und zu gleichen Teilen.

(3) Lebt zur Zeit des Erbfalls der Vater oder die Mutter nicht mehr, so treten an die Stelle des Verstorbenen dessen Abkömmlinge nach den für die Beerbung in der ersten Ordnung geltenden Vorschriften. Sind Abkömmlinge nicht vorhanden, so erbt der überlebende Teil allein.

(4) In den Fällen des § 1756 sind das angenommene Kind und die Abkömmlinge der leiblichen Eltern oder des anderen Elternteils des Kindes im Verhältnis zueinander nicht Erben der zweiten Ordnung.

Nach dieser Bestimmung gelten folgende Regeln für die Erbfolge:

  • Leben zum Zeitpunkt des Erbfalls beide Elternteile, so fällt ihnen jeweils die Hälfte des Nachlasses zu; die Geschwister des Erblassers gehen also leer aus.
  • Lebt nur noch ein Elternteil, erhält er das halbe Erbe, der andere halbe Erbteil fällt an die Abkömmlinge des vorverstorbenen Vaters bzw. der vorverstorbenen Mutter, also an die Geschwister, Neffen oder Nichten des Erblassers.
  • Sind keine Abkömmlinge des vorverstorbenen Elternteils vorhanden, dann erbt der überlebende Elternteil allein.

 

Das Testament als Mittel der Nachlassplanung

Häufig entspricht es nicht dem Interesse einer alleinstehenden Person, entfernten und unbekannten Verwandten ein Vermögen zukommen zu lassen.

Tipp von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht und Spezialist für Testamentsgestaltung:

  • Bei der Nachlassplanung ist es möglich, ganz andere Ziele zu realisieren:
  • Die Auflösung der eigenen Wohnung soll federführend von einem engen Freund in Zusammenarbeit mit anderen Vertrauten erfolgen. Sie soll nicht von entfernten Verwandten oder einem privaten Anbieter von Wohnungsauflösungen durchgeführt werden.
  • Bestimmte Wertgegenstände oder Vermögensbestandteile sollen einzelnen Personen oder Institutionen (Museum, Archiv, Verband, Verein) übereignet werden, die damit etwas anfangen können.
  • Die besten Freundinnen und Freunde sollen einen Dank für langjährige Freundschaft, Unterstützung und Pflegeleistungen erhalten.
  • Bestimmte Personen aus der Verwandtschaft, zum Beispiel behinderte Menschen oder Bedürftige, sollen finanziell abgesichert werden.
  • Verwandte, die auf finanzielle Zuwendungen nicht angewiesen sind, sollen kein Erbe erhalten.
  • Für die Grabpflege soll eine bestimmte Person verantwortlich sein und jährlich einen hierfür definierten Geldbetrag erhalten.
  • Eine Stiftung, eine Universität, ein Krankenhaus, eine Kindereinrichtung oder ein Tierheim soll eine einmalige Zuwendung erhalten.
  • Hund, Katze, Kanarienvogel soll eine neue Bleibe finden.

 

Individuelle Regelungen treffen

Manche Personen haben ein besonderes Interesse an individuellen Regelungen:

  • So wird es im Interesse eines Unternehmers liegen, dafür zu sorgen, dass das Unternehmen auch nach dem eigenen Tod problemlos weitergeführt werden kann.
  • Ein berühmter Musiker möchte, dass hochwertige Instrumente sowie Noten aus seinem Besitz erneut begabten und befreundeten Musikern zugänglich gemacht werden.
  • Ein Schriftsteller wird Wert darauf legen, dass eine Person seines Vertrauens seine Bücher und andere Dokumente wie Briefe oder Skizzen verwaltet, vernichtet oder herausgibt.

 

Der Aufbau und Inhalt Ihres Testaments

Ein Testament sollte folgenden Aufbau aufweisen:

  1. Einsetzung einer oder mehrerer Personen als Erben
  2. Bestimmung eines Ersatzerben, der nach dem Tod des zuerst benannten Erben zum Zuge kommen soll
  3. Zuwendung einzelner Vermögenswerte als Vermächtnis
  4. Auflagen für den Erben oder Vermächtnisnehmer
  5. Einsetzung eines Testamentsvollstreckers zur Auseinandersetzung oder Verwaltung des Nachlasses

 

Testament Muster "Testament für Alleinstehende"

Beispiel:

Eine alleinlebende kinderlose Person möchte einen langjährigen Freund von Todes wegen bedenken, einige Geldvermächtnisse anordnen, die Grabpflege regeln und einen Testamentsvollstrecker einsetzen. Ihr Testament könnte wie folgt lauten:

Mein letzter Wille

1. Zu meinem alleinigen Erben setze ich, Max Moormann, geboren am 16.5.1956, derzeit wohnhaft in 80798 München, Augustenstraße 10, meinen Freund, Anton Mayer, geboren am 18.8.1958, derzeit wohnhaft in 81677 München, Mühlbaurstraße 1, ein.

Sollte Herr Anton Mayer zum Zeitpunkt meines Todes schon verstorben sein, so bestimme ich als Ersatzerbin meine Nichte Gabriele Koch, geboren am 23.5.1978, derzeit wohnhaft in 80799 München, Schellingstraße 3.

2. Im Wege des Vermächtnisses erhalten aus meinem Nachlass jeweils einen Geldbetrag von 20.000 Euro 

  • meine Schwester Magdalena Müller, geboren am 24.11.1956, derzeit wohnhaft in 80336 München, Lessingstraße 3,
  • die Technische Universität München,
  • das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik,
  • der Sportverein Unterhaching. 

 Ersatzvermächtnisnehmer bestimme ich ausdrücklich nicht.

3. Meinen Erben belaste ich mit der Auflage, meine Grabstätte für die Dauer der vollen Ruhezeit zu pflegen und zu unterhalten.

4. Ich ordne Testamentsvollstreckung an. Der Testamentsvollstrecker hat die Aufgabe, meine oben im Testament genannten Anordnungen auszuführen und den Nachlass abzuwickeln. Zum Testamentsvollstrecker bestimme ich Herrn Rechtsanwalt Klaus Klug, mit Kanzleisitz in 80538 München, Widenmayerstraße 28. Ein etwaiger Ersatztestamentsvollstrecker soll durch den Vorstand des Netzwerks Deutscher Testamentsvollstrecker e.V. (www.NDTV.info) bestimmt werden. Die Vergütung des Testamentsvollstreckers soll sich nach den Empfehlungen des Deutschen Notarvereins richten.

München, den 1.8.2017             Max Moormann

 

Das Pflichtteilsrisiko beachten

Bei der Testamentsgestaltung ist zu beachten: Das Pflichtteilsrecht kann individuelle Regelungen aushebeln, so dass beispielsweise Eltern, die enterbt wurden, dennoch einen Teil des Nachlasses in Geld erhalten. Angenommen, der Sohn hat als Sportler in wenigen Jahren über Verträge, Siegprämien und Werbeeinnahmen vier Millionen Euro erwirtschaftet und stirbt im Alter von 38 Jahren plötzlich und unerwartet an einer heimtückischen Krankheit. Auch wenn er sein Vermögen testamentarisch seiner Freundin vererbt hat, können die enterbten Eltern Anspruch auf den Pflichtteil erheben und so jeweils eine Million Euro erhalten. Der Freundin bleiben lediglich zwei Millionen Euro, die noch durch Erbschaftsteuern erheblich geschmälert werden.

Die naheliegende Strategie, die gesetzliche Erbfolge mittels Schenkungen noch zu Lebzeiten auszuhebeln, ist nicht in jedem Fall von Erfolg gekrönt. Liegt die Schenkung zum Zeitpunkt des Todes noch keine zehn Jahre zurück, können die gesetzlichen Erben sogenannte „Pflichtteilsergänzungsansprüche“ geltend machen. Einzelheiten zum Pflichtteilsrecht und zur Erb- und Pflichtteilsreform finden Sie hier.

Tipp von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht und Spezialist für Testamentsgestaltung:


Achtung Steuerfalle

Bei der Testamentsgestaltung sollten immer auch die erbschaftsteuerlichen Auswirkungen berücksichtigt werden. Einen Überblick zu den Erbschaftsteuerfreibeträgen und den Steuertarifen finden Sie hier.

Wer sich über die steuerlichen Folgen einer Erbeinsetzung oder Vermächtnisanordnung informieren will, sollte vor Errichtung eines Testamentes einen steuerlich versierten Fachanwalt für Erbrecht einschalten. Sonst droht die Gefahr, dass zum Beispiel zur Tilgung der Steuerlast eine Nachlassimmobilie völlig unnötig und unter Zeitdruck verkauft werden muss.



Auszeichnungen:

Magazin FOCUS
Magazin Wirtschaftswoche

Fachbuchautor:

Beck Verlag
Linde Verlag - Stern-Ratgeber

Mitglied:

Netzwerk Deutscher Erbrechtsexperten e.V.
Netzwerk Deutscher Testamentsvollstrecker e.V.