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Pflichtteil - Erklärung, Wissenswertes und Antworten

Der Pflichtteil sichert Angehörigen eine finanzielle Mindestbeteiligung am Nachlass. Trotz Enterbung steht somit, insbesondere Kindern und Ehegatten, ein Teil des Nachlasses zu. Dieser Pflichtteilsanspruch muss von den Erben des Verstorbenen in Form von Geld beglichen werden und entspricht der Hälfte des gesetzlichen Erbteils. 

Typische Fragen zum Pflichtteil



Typische Fragen & Antworten zum Pflichtteil



Auf den folgenden Seiten finden Sie detaillierte Informationen rund um den Pflichtteil und das Pflichtteilsrecht

Pflichtteil

Was ist der Pflichtteil? Wie unterscheiden sich der Pflichtteilsanspruch und der Pflichttilsergänzungsanspruch voneinander. Hier finden Sie alle Informationen rund um den Pflichtteil.

Pflichtteilsanspruch

Wer ist überhaupt pflichtteilsberechtigt und wie hoch ist die Pflichtteilsquote? Diese und weitere Informationen finden Sie unter Pflichtteilsanspruch.

Pflichtteilsergänzungsanspruch

Wie wirken sich Schenkungen auf den Pflichtteil aus? Hier finden Sie Regelungen und  Informationen zum Pflichtteilsergänzungsanspruch.

Pflichtteil einfordern

Wie wird der Pflichtteil geltend gemacht und welche Rechte haben Pflichtteilsberechtigte? Hier finden Sie alle Informationen zur Durchsetzung des Pflichtteils.





Was ist der Pflichtteil?

Der Pflichtteil sichert den nahen Angehörigen, die durch Testament enterbt wurden, eine finanzielle Mindestbeteiligung am Nachlass des Erblassers. Er entspricht der Hälfte des gesetzlichen Erbteils, wird aber nur in Form von Geld beglichen. Der Pflichttelsberechtigte kann zwei Ansprüche geltend machen:

Der Fachanwalt für Erbrecht, Bernhard F. Klinger, mit Kanzlei in München, setzt Pflichtteils- und Pflichtteilsergänzungsansprüche effektiv unter Nutzung des Auskunftsanspruchs und Wertermittlungsanspruchs durch. Die Erben unterstützt der Erbrechtspezialist bei der Abwehr unberechtigter Pflichtteilsforderungen.



Wer muss den Pflichtteil bezahlen?

Der Pflichtteil muss von den Erben des Verstorbenen an den Enterbten bezahlt werden. Dem Pflichttteilsberechtigten steht es zu, von jedem Miterben 100 % des Pflichtteils oder nur einen Teil davon zu verlangen. Die Erben teilen dann diesen Betrag je nach Verhältnisse Ihrer Erbteile untereinander auf.

Gegenüber Vermächtnisnehmer und Testamentsvollstrecker kann kein Pflichtteil geltend gemacht werden. 

Was ein Vermächtnis ist, lesen Sie hier.



Wann ist der Pflichtteilsanspruch fällig?

Der Pflichtteilsanspruch ist gemäß § 2317 BGB sofort mit dem Tod des Erblassers fällig.



Pflichtteilsanspruch

 Wer bekommt einen Pflichtteil?

Einen Anspruch auf den Pflichtteil haben grundsätzlich Nachkommen (Kinder, Enkel & Urenkel), Eltern und der Ehegatte des Verstorbenen. Eltern sind jedoch nur dann pflichtteilsberechtigt, sofern der Erblasser kinderlos verstirbt. 
Enkel wiederum haben nur dann einen Pflichtteilsanspruch, wenn der Elternteil (also das Kind des Erblassers) bereits verstorben ist.

Geschiedene Ehegatten Partner ohne Trauschein und Geschwister des Erblassers haben keinen Anspruch auf den Pflichtteil.  Genau Regelungen finden sich in § 2303 BGB.

Detaillierte Informationen darüber, wer einen Pflichtteilsanspruch hat, erfahren Sie hier.





Kann man ein Kind vollständig enterben?

Zwar ist die vollständige Enterbung eines Kindes laut Gesetz möglich, allerdings steht diesem trotzdem ein Pflichtteil zu. 

Damit hat der Gesetzgeber eine Art Notanker für enterbte Kinder geschaffen, welcher dem Enterbten mit ein bisschen Glück, wenigstens die Hälfte des gesetzlichen Erbteils zuspricht.

Die Abwehr, also der Entzug dieses Pflichtteilsanspruchs, ist zwar möglich, in der Realität jedoch nur schwer durchsetzbar.



Ich bin ein Scheidungskind. Bekomme ich einen Erbteil oder Pflichtanteil, wenn mein Vater stirbt?

Ja.

Der Erbteil und der Pflichtteil eines Kindes, das vom leiblichen Vater oder der leiblichen Mutter durch Testament enterbt wurde, geht bei Scheidung der Eltern nicht verloren.

Hier finden Sie ausführliche Informationen zum Pflichtteilsanspruch.



Besteht ein Pflichtteilsanspruch, wenn Geschwister versterben? 

Nein. Sofern der Bruder oder die Schwester verstirbt, besteht kein Pflichtteilsanspruch.

Einen Anspruch auf einen Pflichtteil können nur die nächsten Familienangehörigen des Erblassers geltend machen, also seine Abkömmlinge (Kinder, Enkel, Urenkel), sein Ehegatte und – wenn der Verstorbene keine Kinder hatte – auch seine Eltern.

Auch nichteheliche und adoptierte Kinder haben ein Pflichtteilsrecht.

Personen ohne Pflichtteilsanspruch: 

Nicht pflichtteilsberechtigt sind dagegen Stiefkinder und Stiefeltern, sowie entferntere Verwandte wie Geschwister, Onkel, Tanten, Neffen und Nichten sowie ein nichtehelicher Lebenspartner des Verstobenen.

Detaillierte Informationen finden Sie unter: Wer ist Pflichtteilsberechtigt?



Habe ich als Enkelkind einen Erbpflichtteil?

Enkelkinder sind nur dann beim Tod der Großeltern pflichtteilsberechtigt im Sinne des § 2303 BGBwenn ihr Vater bzw. Mutter vorverstorben ist.

Hier finden Sie weitere ausführliche Informationen zum Pflichtteilsanspruch.



Höhe des Pflichtteils

Wie hoch ist der Pflichtteil und wie berechnet sich dieser?

Der Pflichtteil kann lediglich durch Geld beglichen werden.
Zur Berechnung des Pflichtteils wird die sogenannte Pflichteilsquote ermittelt.

Um den Pflichtteil beziffern zu können, wird der Wert des Nachlasses mit dieser Pflichtteilsquote multipliziert.
Sofern die Pflichtteilsquote beispielsweise 1/4 beträgt, steht dem Pflichtteilsberechtigten also 25 % des Nachlasses zu.

Generell entspricht die Pflichtteilsquote der Hälfte des gesetzlichen Erbteils, bzw. der vom Gesetz vorgeschriebenen Erbquote. Diese Erbquote variiert jedoch unter anderem aufgrund des Familienstandes des Erblassers (Verstorbenen) und dem Verwandtschaftsgrad des Verstorbenen zum Enterbten.





Berechnung der Pflichtteilsquote im Überblick

Es muss also immer erst festgestellt werden, wie hoch der gesetzliche Erbteil einer Person wäre, die ihren Pflichtteil verlangt, und das wiederum ist abhängig davon, wie viele Erbberechtigte es neben den Erb- und Pflichtteilsberechtigten gibt und in welcher Konstellation sie zueinander stehen (Ehepartner/Kinder des Verstorbenen).

Besonderheiten bestehen für Eheleute mit Zugewinngemeinschaft. Für die Höhe des Pflichtteils des überlebenden Ehegatten kommt es darauf an, in welchem Güterstand die Eheleute beim Tod des Erblassers oder der Erblasserin gelebt haben. Lebten die Eheleute im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft, so erhöht sich der gesetzliche Erbteil des Überlebenden durch den pauschalierten erbrechtlichen Zugewinnausgleich um ein Viertel. Die nachfolgende Tabelle erläutert die Abhängigkeit der Pflichtteilsquote vom ehelichen Güterstand:


Ehelicher Güterstand des Erblassers

Pflichtteil je Kind

(wenn der Erblasser im Erbfall noch verheiratet war)

Pflichtteil

des Ehegatten

(neben Abkömmlingen)

 

bei 1

Kind

bei 2

Kindern

bei 3

Kindern

 

Gesetzlicher Güterstand

(= Zugewinngemeinschaft)

 

1/4

 

1/8

 

1/12

1/8

 

Gütertrennung

 

1/4

 

1/6

 

1/8

bei 1 Kind:

1/4

bei 2 Kindern:

1/6

bei 3 und mehr Kindern:

1/8

 

Gütergemeinschaft

 

 

3/8

 

3/16

 

3/24

 

1/8


Detaillierte Informationen zur Berechnung hinsichtlich verschiedenster Umstände finden Sie unter Berechnung der Pflichtteilsquote.



Auskunftsrechte des Pflichtteilsberechtigten

Die Höhe des Pflichtteils hängt also einerseits von der oben beschrieben Pflichtteilsqute ab, andererseits spielt jedoch natürlich auch die Höhe des Nachlasses eine Rolle.

Gerade Enterbten können sich nicht immer auf familiäre und wohlwollende Auskünfte stützen.

Der Gesetzgeber stellt dem Enterbten jedoch drei Möglichkeiten zur Nachlassrecherche zur Verfügung.

 

  1. Nachlassverzeichnis - Hier werden Werte und Schulden des Verstorbenen aufgeführt.
  2. Akteneinsicht beim Nachlassgericht
  3. Der Grundbuchauszug

 

Details hierzu und was Sie hierbei im Detail beachten müssen, habe ich Ihnen im folgenden Video aufgeführt.





Pflichtteil einfordern & durchsetzen

Detaillierte Informationen darüber, wie Sie Ihren Pflichtteil geltend machen können, haben finden Sie auf dieser Seite.



Pflichtteilsergänzungsanspruch

Der Pflichtteilsergänzungsanspruch - Auswirkung von Schenkungen auf den Pflichtteil

Häufig versuchen Erblasser den künftigen Pflichtteilsanspruch von erbberechtigten Verwandten und Ehegatten dadurch zu unterlaufen, dass sie Teile des Vermögens schon zu Lebzeiten an diejenigen verschenken, die sie gern als alleinige Erben sehen würden. Auch hier setzt das Pflichtteilsrecht Grenzen: Die meisten Schenkungen, die der Erblasser in den letzten zehn Jahren vor seinem Tod gemacht hat, werden dem Nachlass hinzugerechnet (§ 2325 BGB) und erhöhen damit den Pflichtteilsanspruch der Pflichtteilsberechtigten.





Tipp von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht und Spezialist für Testamentsgestaltung:

Eine Sonderregelung zugunsten von Pflichtteilsberechtigten gilt bei Schenkungen unter Ehegatten: Wird die Ehe durch Tod aufgelöst, sind alle während der gesamten Ehezeit von dem Erblasser an seinen überlebenden Ehegatten gemachten Schenkungen ergänzungspflichtig, auch wenn sie Jahrzehnte zurückliegen. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Schenkung als solche rückgängig gemacht wird. Sie bleibt vielmehr wirksam.

Der Pflichtteilsanspruch gemäß § 2303 BGB und der Pflichtteilsergänzungsanspruch gemäß § 2325 BGB stehen selbständig nebeneinander und müssen bei der Berechnung auseinandergehalten werden. Eine Berechtigung, den Pflichtteilsergänzungsanspruch geltend zu machen (§ 2325 BGB), setzt nicht voraus, dass der Erblasser überhaupt eine Verfügung von Todes wegen hinterlassen hat. Der Pflichtteilsergänzungsanspruch ist deshalb auch bei gesetzlicher oder testamentarischer Erbfolge immer dann zu prüfen, wenn dem Erben, der zum Kreis der Pflichtteilsberechtigten gehört, rechnerisch weniger hinterlassen wurde als der Wert seines Pflichtteils.

Abschmelzmodell

Die Leistung des

Schenkungsgegenstandes durch den Erblasser erfolgt ...

Berücksichtigung des Schenkungswertes beim Pflichtteilsergänzungsanspruch mit ...

im 1. Jahr vor dem Erbfall

100%

im 2. Jahr vor dem Erbfall

90%

im 3. Jahr vor dem Erbfall

80%

im 4. Jahr vor dem Erbfall

70%

im 5. Jahr vor dem Erbfall

60%

im 6. Jahr vor dem Erbfall

50%

im 7. Jahr vor dem Erbfall

40%

im 8. Jahr vor dem Erbfall

30%

im 9. Jahr vor dem Erbfall

20%

im 10. Jahr vor dem Erbfall

10%

im 11. Jahr vor dem Erbfall oder früher

 

0%



Wer schuldet den Pflichtteilsergänzungsanspruch?

Schuldner des Pflichtteilsergänzungsanspruches sind zunächst die Erben. Vom Beschenkten kann der Pflichtteilsberechtigte gemäß § 2329 BGB die Herausgabe des Geschenkes nur dann verlangen, wenn der Erbe selbst zur Ergänzung des Pflichtteiles nicht verpflichtet ist, etwa weil kein ausreichender oder nur ein verschuldeter Nachlass vorhanden ist.



Vorbeugung: Pflichtteil begrenzen & reduzieren

Reduktionsmöglichkeiten des Pflichtteils

Besteht eine Möglichkeit die Pflichtteilsforderung noch zu Lebzeiten zu reduzieren? 

Bernhard F. Klinger zeigt Ihnen im folgenden Video, wie Sie die dafür relevanten Faktoren zu Gunsten Ihres letzten Willens optimieren können.

Ergänzende und detaillierte Informationen hinsichtlich der Berücksichtigung - bereits zur Testamentserstellung - finden Sie auf der folgenden Seite.





Auszeichnungen:

Magazin FOCUS
Magazin Wirtschaftswoche

Fachbuchautor:

Beck Verlag
Linde Verlag - Stern-Ratgeber

Mitglied:

Netzwerk Deutscher Erbrechtsexperten e.V.
Netzwerk Deutscher Testamentsvollstrecker e.V.