nach oben
Ihr Fachanwalt für Erbrecht in München Ihr Fachanwalt für Erbrecht in München - Bernhard Klinger

Bernhard F. Klinger
Fachanwalt für Erbrecht, Spezialist für Pflichtteilsrecht, Spezialist für Testamentsgestaltung, zertifizierter Testamentsvollstrecker

Tel.: 089 2101020

Empfehlung durch FOCUS„Top-Erbrechts-Anwalt mit hoher Fachkompetenz und Expertise im Erbrecht“

Empfehlung durch WIRTSCHAFTSWOCHE: „Eine der 25 Top-Kanzleien für Erbrecht bundesweit“

STIFTUNG WARENTEST: "Anwaltssuche - Der beste Weg zum Anwalt"

Erfahrungen & Bewertungen zu Erbrecht München - Bernhard F. Klinger - Fachanwalt für Erbrecht

Erbengemeinschaft

Eine Erbengemeinschaft führt häufig zu langjährigen Streitigkeiten. Der Grund für die oft erbittert geführten Auseinandersetzungen liegt vor allem darin, dass die Erben den gesamten Nachlass gemeinsam – meist einstimmig – verwalten müssen und manche Miterben sinnvolle Vorschläge torpedieren, um sich sich selbst Vorteile zu verschaffen.

Der Fachanwalt für Erbrecht, Bernhard F. Klinger, unterstützt Erben bei der Durchsetzung ihrer Rechte und bei der Lösung von Konflikten. Anwalt Klinger vermittelt zwischen den Miterben und sorgt für einen fairen Interessenausgleich. Im Auftrag von Erbengemeinschaften regelt er die Nachlassverwaltung und Nachlassabwicklung und vermeidet damit eine unnötige Teilungsversteigerung und langwierige Erbprozesse.



Fragen und Antworten

Rechte und Pflichten des Miterben Verwaltung des Nachlasses unter Miterben Teilung des Nachlasses unter Miterben Wichtige Gesetze
Rechte und Pflichten des Miterben

Welche Rechte und Pflichten hat ein Miterbe?

Von „Miterben“ wird immer dann gesprochen, wenn der Nachlass an mehrere Personen geht, also kein Alleinerbe alles erhält. Er muss sich gemäß § 2038 BGB mit den anderen Miterben über die Verwaltung des Nachlasses und gemäß § 2042 BGB über die Verteilung des Nachlasses einig werden, da er allein zu eigenmächtigen Verfügungen über den Nachlass oder einzelner hinterlassener Gegenstände nicht berechtigt ist.

Welche Auskunftsansprüche haben die Miterben?

Einzelne Miterben verfügen häufig wegen besonderer Sachnähe zum Nachlassvermögen über ein „Monopolwissen“, während andere als Folge eines Informationsdefizits den Nachlass weder effektiv verwalten noch zügig zur Teilung bringen können. Sie sind deshalb auf klare Auskünfte angewiesen. Nach einer Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofs begründet die Miterbenstellung als solche aber keine generelle Auskunftspflicht der anderen Miterben. Der Miterbe muss vielmehr aufgrund verschiedener Einzelvorschriften oder aufgrund Richterrechts Auskunftsansprüche durchsetzen.

  • Zu beachten ist, dass Auskunftsansprüche im Regelfall der Erbengemeinschaft insgesamt zustehen, aber auch von jedem einzelnen Miterben gemäß § 2039 BGB durchgesetzt werden können. Die Auskunft selbst muss dann aber gegenüber allen Miterben erteilt werden.
  • Ein Miterbe, der noch vom Erblasser mit der Verwaltung beauftragt und bevollmächtigt wurde, ist gegenüber der Erbengemeinschaft zur Auskunft und Rechenschaft verpflichtet.
  • Gleiches gilt für diejenigen Miterben, die nach dem Erbfall „Notverwaltungsmaßnahmen“ getroffen haben.
  • Bei einer dauerhaften Verwaltung gemeinsamer Grundstücke durch einen Miterben kann durch schlüssige Vereinbarung unter den Miterben Auftragsrecht zur Anwendung kommen und sich damit eine Auskunftspflicht ergeben.
  • Miterben sind untereinander gemäß § 2057 BGB zur Auskunft über alle Zuwendungen verpflichtet, die gemäß § 2050 BGB ausgleichungspflichtig sein könnten. Geschuldet ist dabei eine zeitlich und gegenständlich unbeschränkte „Totalaufklärung“, wobei aber nicht jede „Kleinigkeit“ anzugeben ist.
  • Miterben sind im Regelfall nicht verpflichtet, bei der Errichtung eines Inventars mitzuwirken. In besonders gelagerten Einzelfällen kann sich aber eine derartige Verpflichtung ergeben. Die Auskunftspflicht eines Miterben bei einer amtlichen Inventaraufnahme ist zwar nicht erzwingbar, der Erbe verwirkt jedoch unter Umständen sein Recht zur Haftungsbeschränkung.
  • Der Bundesgerichtshof hat aus § 242 BGB (Treu und Glauben) einen Auskunftsanspruch und Wertermittlungsanspruch des pflichtteilsberechtigten Erben gegen den vom Erblasser beschenkten Miterben abgeleitet.

Können Miterben untereinander Auskunft über den Bestand des Nachlasses verlangen?

Die Praxis zeigt, dass manche Miterben bereits vor dem Fall ein gewisses Näheverhältnis zum Erblasser hatten. Diese Personen sind manchmal mit einer Vollmacht ausgestattet worden, hatten Zugang zur Wohnung bzw. zum Haus des Erblassers und kennen deshalb die Vermögensverhältnisse des verstorbenen deutlich besser als andere Miterben, die keinen oder nur sehr wenig Kontakt hatten.

Der Erbrechtsexperten Ludger Bornewasser und Bernhard F. Klinger, Fachanwälte für Erbrecht in München, erläutern in diesem Beitrag, welche Möglichkeiten ein Miterbe hat, nach dem Erbfall von den anderen Miterben Auskunft über die Nachlassaktiva und Nachlasspassiva zu fordern.

Es stellt sich die Frage, ob diejenigen Erben, die mit einem so genannten Monopolwissen ausgestattet sind, dieses den anderen Mitgliedern der Erbengemeinschaft zur Verfügung stellen müssen. Auch wenn der juristische Laie Grundsatz verständlich von einer bestehenden Auskunftspflicht ausgeht, setzt der Bundesgerichtshof (BGH) hierfür eine ganz klare Grenze: Miterben sind nur dann untereinander zur Auskunft über den Nachlassbestand verpflichtet, wenn es hierfür eine gesetzliche Grundlage gibt oder ausnahmsweise eine Verpflichtung aus Treu und Glauben (§ 242 BGB) abzuleiten ist. Eine generelle Auskunftspflicht wird vom BGH also verneint.

1. Auskunftsansprüche eines Miterben aufgrund gesetzlicher Grundlage

Auskunfts-und Rechenschaftspflichten eines Miterben sind in verschiedenen gesetzlichen Vorschriften geregelt.

a) Rechenschaftspflicht eines Miterben der Verwaltungsaufgaben übernommen hat

Hat der Erblasser zu seinen Lebzeiten eine Person bevollmächtigt, so muss dieser Vollmachtnehmer nach Eintritt des Erbfalls der Erbengemeinschaft gegenüber Rechenschaft legen (§ 666 BGB). Eine Rechenschaftslegung Verpflichtung besteht auch dann, wenn nach dem Erbfall einer der Miterben eine Notverwaltungsmaßnahme im Sinne des § 2038 BGB eingeleitet hat, oder ein Miterbe von der Erbengemeinschaft zur Verwaltung eines Nachlassgegenstandes beauftragt wurde. In diesem Fall ergibt sich eine Auskunftsverpflichtung aus § 745 BGB.

b) Auskunftspflicht eines Hausgenossen

Lebte der Erblasser mit einem Miterben in einer so genannten häuslichen Gemeinschaft, so ist er gemäß § 2028 BGB den anderen Mitglieder Erben gegenüber verpflichtet Auskunft über die von ihm geführten erbschaftlichen Geschäfte und den Verbleib von Erbschaftsgegenständen zu erteilen. Eine Verpflichtung über den Nachlassbestand Auskunftserteilung besteht demgegenüber nicht.

c) Auskunftsverpflichtung des so genannten Scheinerben

Wurde einem Miterben zunächst ein Erbschein erteilt, der sich später aber als unrichtig erwiesen hat und deshalb vom Nachlassgericht eingezogen wurde, so wird diese Person als so genannter Scheinerbe bezeichnet. Der wirkliche Erbe kann dann gemäß § 2362 BGB vom Scheinerben Auskunft verlangen.

d) Auskunftsverpflichtung des so genannten Erbschaftsbesitzers

Als Erbschaftsbesitzer wird eine Person bezeichnet, die sich z.B. anmaßt Alleinerbe geworden zu sein, dies tatsächlich aber nicht ist. Handelt es sich nun bei diesem Erbschaftsbesitzer um einen der Miterben, so können die anderen Miterben gemäß § 2027 BGB Auskunft über den Nachlassbestand und den Verbleib einzelner Nachlassgegenstände verlangen.

2. Auskunftsverpflichtung eines Miterben nach dem Grundsatz von Treu und Glauben

Sofern keine gesetzliche Verpflichtung zur Auskunftserteilung besteht, kann sich in gewissen Ausnahmefällen aus § 242 BGB nach dem Grundsatz von Treu und Glauben eine Verpflichtung des Miterben ergeben. Die Grenzen die hierfür der BGH in seiner Rechtsprechung (NJW 1993, 2737) setzt sind aber sehr eng gefasst, mit der Folge, dass im Regelfall Miterben untereinander nicht verpflichtet sind, vorhandenes Wissen oder Informationen auszutauschen.

Expertentipp: 

Sofern ein Miterbe sich Kenntnis über den Nachlassbestand verschaffen will, bieten sich noch folgende Informationsmöglichkeiten an:

  • Antrag auf Einsicht in die nachlassgerichtlichen Akten
  • Anfrage bei der Bank des Erblassers zur Vorlage einer so genannten Kontoverlaufsübersicht
  • Einsichtnahme in das Grundbuchamt
  • Einsichtnahme in das Handelsregister
Verwaltung des Nachlasses unter Miterben

Wer ist zur Verwaltung des Nachlasses verpflichtet?

Die Miterben haben den Nachlass bis zu dessen Teilung gemäß § 2038 BGB gemeinschaftlich zu verwalten. Die Erbengemeinschaft kann aber einem oder mehreren Miterben die Verwaltung des Nachlasses (widerruflich) übertragen. Hat der Erblasser Testamentsvollstreckung angeordnet oder wurde ein Nachlassverwalter oder ein Nachlassinsolvenzverwalter eingesetzt, so sind die Miterben von der Verwaltung des Nachlasses ausgeschlossen.

Können die Miterben Verwaltungsmaßnahmen mit einfacher Stimmenmehrheit beschließen?

Die Antwort auf diese Frage hängt gemäß § 2038 BGB davon ab, welche Art von Verwaltungsmaßnahme vorliegt:

  • „Außerordentliche“ Verwaltungsmaßnahmen, die für den Nachlass eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung haben (z. B. die Veräußerung eines Grundstücks) bedürfen der Einstimmigkeit der Miterben.
  • Anders verhält sich das bei „Maßnahmen der ordnungsgemäßen Verwaltung“. Hier genügt Stimmenmehrheit. Maßnahmen, die aus der Sicht eines vernünftigen und wirtschaftlich denkenden Betrachters dem Nachlassgegenstand gerecht werden und im Interesse aller Miterben „nach billigem Ermessen“ liegen; alles was die Nachlassgegenstände nicht stark verändert und das Vermögen, das einem Miterben zusteht, nicht gefährdet und nicht mindert – all das kann mit Stimmenmehrheit beschlossen werden. Bei der Berechnung der Stimmenmehrheit wird die Größe der den einzelnen Miterben zustehenden Erbteile berücksichtigt. Es wird nicht nach Köpfen abgestimmt. Bei der Verwaltung des Erbes können sich dabei erhebliche Schwierigkeiten ergeben: Ein Witwer, dem nach der gesetzlichen Erbfolge die Hälfte des Nachlasses zusteht, und seine beiden Kinder, die zusammen die andere Hälfte erhalten, sind schnell handlungsunfähig, wenn der Vater auf seiner Meinung beharrt und die Kinder seinen Maßnahmen widersprechen.
  • Notwendige Verwaltungsmaßnahmen. All das, was notwendig ist, um den Nachlass insgesamt oder einzelne Teile zu erhalten (etwa dringende Reparaturarbeiten an einem Haus, die nicht aufgeschoben werden können, bis die anderen Miterben zustimmen, Abwehrmaßnahmen gegen Eingriff in den Nachlass) kann von jedem einzelnen Miterben ohne Mitwirkung der anderen vorgenommen werden.

Welche Folgen hat es, wenn ein Miterbe bei einer Verwaltungsmaßnahme nicht mitwirkt?

Jeder Miterbe ist gemäß § 2038 Absatz 1 Satz 2 BGB den anderen gegenüber verpflichtet, bei „ordnungsgemäßen Verwaltungsmaßnahmen“ der Erbengemeinschaft mitzuwirken. Weigert sich ein Miterbe, seine Zustimmung zu erteilen, kann jeder andere Miterbe mit Aussicht auf Erfolg beim Gericht Klage einreichen. Entsteht den anderen Miterben durch die Weigerung ein Schaden, so können diese Ersatz verlangen.

Darf ein Miterbe einen Nachlassgegenstand alleine nutzen?

Zwar steht das Recht, die zum Nachlass gehörenden Gegenstände zu nutzen, jedem Miterben zu; der Miterbe darf dabei aber nicht das Nutzungsrecht der anderen Miterben beeinträchtigen.

Kann ein Miterbe für die Verwaltung des Nachlasses eine Vergütung verlangen?

Miterben können – obwohl es häufig von juristischen Laien anders gesehen wird – im Regelfall kein Entgelt für den Zeitaufwand und die Arbeit verlangen, die sie für die Verwaltung des Nachlasses aufwenden.

Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Es empfiehlt sich dringend, eine (schriftliche) Vergütungsregelung für den Fall zu treffen, dass einer der Miterben für die Erbengemeinschaft tätig wird, aufwändige Arbeiten zu erledigen hat und sicherstellen möchte, dass seine Tätigkeit angemessen entlohnt wird.

Kann ein Miterbe Nachlassforderungen ohne Mitwirkung der anderen Erben durchsetzen?

Ja; jeder Miterbe ist gemäß § 2039 BGB berechtigt, alleine und unabhängig von den anderen eine zum Nachlass gehörende Forderung gegenüber Dritten durchzusetzen, notfalls gerichtlich geltend zu machen und die Zwangsvollstreckung zu betreiben. Der Nachlassschuldner kann sich von seiner Schuld jedoch nur dadurch befreien, wenn er die (von einem oder mehreren Miterben) geforderte Leistung gegenüber allen Miterben gemeinschaftlich erbringt.

Teilung des Nachlasses unter Miterben

Kann ein Miterbe seinen Anteil am Nachlass verkaufen?

Jeder Miterbe ist berechtigt, gemäß § 2033 Absatz 1 BGB über seinen Anteil am Nachlass insgesamt zu verfügen. Den anderen Miterben steht dann allerdings gemäß §§ 2034, 2035 BGB ein Vorkaufsrecht zu. Dagegen ist es gemäß § 2033 Absatz 2 BGB nicht zulässig, dass ein Miterbe über seinen Anteil an einzelnen Nachlassgegenständen (etwa seinem Anteil an einem Nachlassgrundstück) verfügt. Der einzelne Miterbe hat deshalb nur die Möglichkeit, gemäß § 2042 BGB die Teilung des Nachlasses (so genannte Auseinandersetzung) zu verlangen.

Kann ein Miterbe verlangen, dass ihm sein Anteil an Nachlasseinnahmen ausgezahlt wird?

Einnahmen, die aus dem Nachlass erzielt werden (wie Miet- oder Zinserträge), sind erst bei der endgültigen Teilung des Nachlasses zu verteilen. Einen Anspruch auf (Vorschuss-) Zahlung haben Miterben nur dann, wenn sie dies einstimmig (nicht nur mit Stimmenmehrheit) beschlossen haben. Hat der Erblasser die Teilung des Nachlasses auf längere Zeit als ein Jahr ausgeschlossen, so kann jeder Miterbe zum Jahresende die Teilung des Reinertrages verlangen. Dies gilt aber nicht, wenn sich die Teilung des Nachlasses lediglich über ein Jahr hinaus verzögert hat – auch wenn diese Verzögerung durch einen Miterben verschuldet wurde.

Wie wird der Nachlass geteilt?

Jeder Miterbe kann gemäß § 2042 BGB jederzeit die Auseinandersetzung des Nachlasses verlangen. Nicht selten entsteht hierbei Streit unter den Miterben, mit der Folge, dass Familienvermögen sinnlos zerschlagen wird. Der Gesetzgeber sieht eine reale Teilung des Nachlasses entsprechend den Erbquoten vor. Einigen sich die Miterben nicht gütlich über die Art und Weise der Auseinandersetzung, so werden die Nachlassgegenstände öffentlich versteigert. Der Erlös wird gemäß § 2046 BGB  unächst zur Befriedigung von Nachlassgläubigern verwendet und danach gemäß § 2047 BGB der Rest an die Miterben entsprechend ihrer Anteile ausgezahlt.

Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Falls sich die Miterben nicht darüber einigen können, wie eine Nachlassimmobilie aufgeteilt wird, kann jeder der Erben die so genannte Teilungsversteigerung beantragen. Die Praxis zeigt, dass bei einer Versteigerung im Regelfall ein deutlich niedrigerer Erlös als bei einem freien Verkauf erzielt wird. Da bei einer Versteigerung jeder Erbe selbst oder über eine dritte Person mitbieten kann, ist der Antrag auf Teilungsversteigerung gerade für solvente Miterben ein beliebtes Mittel, an das Grundstück zu kommen. Bei Gericht kann zwar beantragt werden, dass das Zwangsversteigerungsverfahren für die Dauer von sechs Monaten einzustellen ist. Dieser Antrag wird aber nur dann erfolgreich sein, wenn konkrete Pläne für eine bessere Verwertung des Grundstücks vorgelegt werden.

Werden lebzeitige Vorempfänge bei der Nachlassteilung berücksichtigt?

Werden mehrere Abkömmlinge des Erblassers gesetzliche Erben, können sich gemäß § 2050 BGB bei der Aufteilung des Nachlasses Ausgleichungspflichten ergeben. Gleiches gilt gemäß § 2052 BGB für den Fall der gewillkürten Erbfolge, sofern der Erblasser seine Abkömmlinge auf das eingesetzt hat, was sie als gesetzliche Erben erhalten würden.

Welche Vorempfänge sind auszugleichen?

Das Gesetz unterscheidet vier Arten von Vorempfängen:

  • Ausstattungen,
  • Übermaß an Zuschüssen,
  • Übermaß an Aufwendungen für die Vorbildung zum Beruf, und
  • sonstige Zuwendungen, für die eine Ausgleichungspflicht angeordnet wurde.

Wann müssen lebzeitige Zuwendungen ausgeglichen werden?

Die Ausgleichungspflicht in Bezug auf „sonstige Zuwendungen“ setzt voraus, dass der Erblasser dies bei der Zuwendung – zumindest stillschweigend – angeordnet hat.

Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Die Ausgleichungsanordnung muss dem Abkömmling spätestens im Zeitpunkt der Zuwendung zur Kenntnis gebracht werden. Er soll dadurch in die Lage versetzt werden, selbst zu entscheiden, ob er die Zuwendung annimmt oder ablehnt.  

Wie wird die Ausgleichung durchgeführt?

Die Ausgleichung verschafft keinen Zahlungsanspruch, sondern verschiebt gemäß § 2055 BGB nur die Teilungsquote. Dazu werden die anrechnungspflichtigen Vorempfänge dem Nachlass hinzugerechnet. Dieser Ausgleichungsnachlass wird dann auf die Abkömmlinge entsprechend der Erbquoten verteilt. Vom Anteil des einzelnen Miterben werden dann die Vorempfänge, die er erhalten hat, abgezogen.

Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Hat ein Abkömmling durch Vorempfänge mehr erhalten, als ihm nach vorstehender Berechnung zustehen würde, braucht er den Mehrempfang gemäß § 2056 BGB nicht in den Nachlass zurückzuzahlen.

Wie wirken sich Pflegeleistungen eines Abkömmlings auf seinen Erbteil aus?

Gem. § 2057a BGB können Abkömmlinge verlangen, dass ihre Leistungen, die sie über einen längeren Zeitraum hinweg im Haushalt des Erblassers erbracht haben, beim Erbfall im Rahmen der Nachlassteilung unter Miterben ausgeglichen werden.

Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Bei gewillkürter Erbfolge, die nicht den gesetzlichen Erbquoten entspricht, besteht keine gesetzliche Ausgleichungspflicht. Der Erblasser sollte deshalb in seiner letztwilligen Verfügung anordnen, dass der Pflegende ein Geldvermächtnis abhängig vom Umfang der erbrachten Pflegeleistungen erhält. Durch ein derartiges Vermächtnis können Personen, die nicht zum Kreis der gesetzlichen Erben gehören (z.B. Schwiegerkinder, nichteheliche Lebensgefährten) für erbrachte Pflegeleistungen honoriert werden.

Kann ein Miterbe verlangen, dass nur einzelne Gegenstände des Nachlasses unter den Miterben aufgeteilt werden?

Eine derartige Teilauseinandersetzung ist nur dann möglich, wenn alle Miterben damit einverstanden sind.

Kann eine Erbengemeinschaft eine von den gesetzlichen Teilungsregeln abweichende Lösung durchsetzen?

Ja; vorausgesetzt, die Miterben beschließen das einstimmig. Sind sich alle Miterben einig, so besteht etwa die Möglichkeit, dass einer oder mehrere Erben gegen Abfindungszahlung aus der Erbengemeinschaft ausscheiden. Die Erben können auch vereinbaren, dass eine Person aus ihrem Kreis bestimmte Nachlassgegenstände unter Anrechnung auf ihren Erbteil zu einem bestimmten Wert übernimmt. Häufig sind noch Ausgleichszahlungen an die übrigen Erben zu leisten. Wenn der übernommene Nachlassgegenstand mehr wert ist, als dem Miterben nach seiner Erbquote zusteht, ist ein finanzieller Ausgleich dafür recht und billig.

Wie kann der Erblasser Streit unter Miterben vermeiden?

Dem Testierenden stehen verschiedene Gestaltungsmittel zur Verfügung, mit denen das Konfliktpotenzial einer Erbengemeinschaft anlässlich der Nachlassteilung entschärft werden kann.

  • Ausschluss der Auseinandersetzung: Der Erblasser kann die Auseinandersetzung für den Nachlass insgesamt oder über einzelne Nachlassgegenstände ausschließen. Diese Anordnung des Erblassers wird aber spätestens 30 Jahre nach Eintritt des Erbfalls unwirksam. Sind sich die Miterben einig, können sie sich gemeinschaftlich über einen Teilungsausschluss des Erblassers hinwegsetzen. Will der Erblasser dies verhindern, muss er eine Testamentsvollstreckung anordnen.
  • Teilungsanordnungen: Ein Miterbe kann nicht verlangen, dass nur einzelne Gegenstände des Nachlasses unter den Miterben aufgeteilt werden. Eine derartige Teilauseinandersetzung ist nur dann möglich, wenn alle Miterben damit einverstanden sind. Der Erblasser kann aber im Testament Teilungsanordnungen treffen, d.h. er nimmt – nach dem er zunächst die Erben und deren Erbquoten festgelegt hat – eine gegenständliche Verteilung von Nachlasswerten vor. Dies führt aber nicht dazu, dass der einzelne Erbe automatisch Alleineigentümer dieser bestimmten Gegenstände wird; die einer Person zuerkannten Gegenstände bleiben vielmehr zunächst beim gemeinschaftlichen Eigentum. Die Teilungsanordnung des Erblassers ist somit erst bei der Auseinandersetzung des Nachlasses von den Miterben beziehungsweise vom Testamentsvollstrecker zu beachten.
  • Anordnung einer Testamentsvollstreckung: Eine Testamentsvollstreckung kann sich für die Verwaltung und Teilung des Nachlasses streitschlichtend auswirken. Als Testamentsvollstrecker sollte der Erblasser nur eine vertrauenswürdige, fachlich kompetente Person auswählen und deren Rechte und Pflichten eindeutig festlegen.
  • Anordnung eines Schiedsverfahren: Um Streitigkeiten über die Nachlassauseinandersetzung schon im Ansatz zu ersticken, kann der Erblasser auch ein Schiedsverfahren anordnen. Ein solches Verfahren ist im Vergleich zu Prozessen vor staatlichen Gerichten meist deutlich schneller beendet. Oft haben Schiedssprüche auch eine höhere Akzeptanz als gerichtliche Urteile.   
Wichtige Gesetze

Wichtige Gesetze zur Erbengemeinschaft

§ 2032 BGB ‑ Erbengemeinschaft

(1) Hinterlässt der Erblasser mehrere Erben, so wird der Nachlass gemeinschaftliches Vermögen der Erben.

(2) Bis zur Auseinandersetzung gelten die Vorschriften der §§ 2033 bis 2041.

 

§ 2033 BGB ‑ Verfügungsrecht des Miterben

(1) Jeder Miterbe kann über seinen Anteil an dem Nachlass verfügen. Der Vertrag, durch den ein Miterbe über seinen Anteil verfügt, bedarf der notariellen Beurkundung.

(2) Über seinen Anteil an den einzelnen Nachlassgegenständen kann ein Miterbe nicht verfügen.

 

§ 2034 BGB ‑ Vorkaufsrecht gegenüber dem Verkäufer

(1) Verkauft ein Miterbe seinen Anteil an einen Dritten, so sind die übrigen Miterben zum Vorkauf berechtigt.

(2) Die Frist für die Ausübung des Vorkaufsrechts beträgt zwei Monate. Das Vorkaufsrecht ist vererblich.

 

§ 2035 BGB ‑ Vorkaufsrecht gegenüber dem Käufer

(1) Ist der verkaufte Anteil auf den Käufer übertragen, so können die Miterben das ihnen nach § 2034 dem Verkäufer gegenüber zustehende Vorkaufsrecht dem Käufer gegenüber ausüben. Dem Verkäufer gegenüber erlischt das Vorkaufsrecht mit der Übertragung des Anteils.

(2) Der Verkäufer hat die Miterben von der Übertragung unverzüglich zu benachrichtigen.

 

§ 2038 BGB ‑ Gemeinschaftliche Verwaltung des Nachlasses

(1) Die Verwaltung des Nachlasses steht den Erben gemeinschaftlich zu. Jeder Miterbe ist den anderen gegenüber verpflichtet, zu Maßregeln mitzuwirken, die zur ordnungsmäßigen Verwaltung erforderlich sind; die zur Erhaltung notwendigen Maßregeln kann jeder Miterbe ohne Mitwirkung der anderen treffen.

(2) Die Vorschriften der §§ 743, 745, 746, 748 finden Anwendung. Die Teilung der Früchte erfolgt erst bei der Auseinandersetzung. Ist die Auseinandersetzung auf längere Zeit als ein Jahr ausgeschlossen, so kann jeder Miterbe am Schluss jedes Jahres die Teilung des Reinertrags verlangen.

 

§ 2039 BGB ‑ Nachlassforderungen

Gehört ein Anspruch zum Nachlass, so kann der Verpflichtete nur an alle Erben gemeinschaftlich leisten und jeder Miterbe nur die Leistung an alle Erben fordern. Jeder Miterbe kann verlangen, dass der Verpflichtete die zu leistende Sache für alle Erben hinterlegt oder, wenn sie sich nicht zur Hinterlegung eignet, an einen gerichtlich zu bestellenden Verwahrer abliefert.

 

§ 2040 BGB ‑ Verfügung über Nachlassgegenstände, Aufrechnung

(1) Die Erben können über einen Nachlassgegenstand nur gemeinschaftlich verfügen.

(2) Gegen eine zum Nachlass gehörende Forderung kann der Schuldner nicht eine ihm gegen einen einzelnen Miterben zustehende Forderung aufrechnen.

 

§ 2042 BGB ‑ Auseinandersetzung

(1) Jeder Miterbe kann jederzeit die Auseinandersetzung verlangen, soweit sich nicht aus den §§ 2043 bis 2045 ein anderes ergibt.

(2) Die Vorschriften des § 749 Abs. 2, 3 und der §§ 750 bis 758 finden Anwendung.

 

§ 2046 BGB ‑ Berichtigung der Nachlassverbindlichkeiten

(1) Aus dem Nachlass sind zunächst die Nachlassverbindlichkeiten zu berichtigen. Ist eine Nachlassverbindlichkeit noch nicht fällig oder ist sie streitig, so ist das zur Berichtigung Erforderliche zurückzubehalten.

(2) Fällt eine Nachlassverbindlichkeit nur einigen Miterben zur Last, so können diese die Berichtigung nur aus dem verlangen, was ihnen bei der Auseinandersetzung zukommt.

(3) Zur Berichtigung ist der Nachlass, soweit erforderlich, in Geld umzusetzen.

 

§ 2047 BGB ‑ Verteilung des Überschusses

(1) Der nach der Berichtigung der Nachlassverbindlichkeiten verbleibende Überschuss gebührt den Erben nach dem Verhältnis der Erbteile.

(2) Schriftstücke, die sich auf die persönlichen Verhältnisse des Erblassers, auf dessen Familie oder auf den ganzen Nachlass beziehen, bleiben gemeinschaftlich.

 

§ 2048 BGB ‑ Teilungsanordnungen des Erblassers

Der Erblasser kann durch letztwillige Verfügung Anordnungen für die Auseinandersetzung treffen. Er kann insbesondere anordnen, dass die Auseinandersetzung nach dem billigen Ermessen eines Dritten erfolgen soll. Die von dem Dritten auf Grund der Anordnung getroffene Bestimmung ist für die Erben nicht verbindlich, wenn sie offenbar unbillig ist; die Bestimmung erfolgt in diesem Falle durch Urteil.

 

§ 2050 BGB ‑ Ausgleichungspflicht für Abkömmlinge als gesetzliche Erben

(1) Abkömmlinge, die als gesetzliche Erben zur Erbfolge gelangen, sind verpflichtet, dasjenige, was sie von dem Erblasser bei dessen Lebzeiten als Ausstattung erhalten haben, bei der Auseinandersetzung untereinander zur Ausgleichung zu bringen, soweit nicht der Erblasser bei der Zuwendung ein anderes angeordnet hat.

(2) Zuschüsse, die zu dem Zwecke gegeben worden sind, als Einkünfte verwendet zu werden, sowie Aufwendungen für die Vorbildung zu einem Beruf sind insoweit zur Ausgleichung zu bringen, als sie das den Vermögensverhältnissen des Erblassers entsprechende Maß überstiegen haben.

(3) Andere Zuwendungen unter Lebenden sind zur Ausgleichung zu bringen, wenn der Erblasser bei der Zuwendung die Ausgleichung angeordnet hat.

 

§ 2052 BGB ‑ Ausgleichungspflicht für Abkömmlinge als gewillkürte Erben

Hat der Erblasser die Abkömmlinge auf dasjenige als Erben eingesetzt, was sie als gesetzliche Erben erhalten würden, oder hat er ihre Erbteile so bestimmt, dass sie zueinander in demselben Verhältnis stehen wie die gesetzlichen Erbteile, so ist im Zweifel anzunehmen, dass die Abkömmlinge nach den §§ 2050, 2051 zur Ausgleichung verpflichtet sein sollen.

 

§ 2055 BGB ‑ Durchführung der Ausgleichung

(1) Bei der Auseinandersetzung wird jedem Miterben der Wert der Zuwendung, die er zur Ausgleichung zu bringen hat, auf seinen Erbteil angerechnet. Der Wert der sämtlichen Zuwendungen, die zur Ausgleichung zu bringen sind, wird dem Nachlass hinzugerechnet, soweit dieser den Miterben zukommt, unter denen die Ausgleichung stattfindet.

(2) Der Wert bestimmt sich nach der Zeit, zu der die Zuwendung erfolgt ist.

 

§ 2056 BGB ‑ Mehrempfang

Hat ein Miterbe durch die Zuwendung mehr erhalten, als ihm bei der Auseinandersetzung zukommen würde, so ist er zur Herauszahlung des Mehrbetrags nicht verpflichtet. Der Nachlass wird in einem solchen Falle unter den übrigen Erben in der Weise geteilt, dass der Wert der Zuwendung und der Erbteil des Miterben außer Ansatz bleiben.

 

§ 2057 BGB ‑ Auskunftspflicht

Jeder Miterbe ist verpflichtet, den übrigen Erben auf Verlangen Auskunft über die Zuwendungen zu erteilen, die er nach den §§ 2050 bis 2053 zur Ausgleichung zu bringen hat. Die Vorschriften der §§ 260, 261 über die Verpflichtung zur Abgabe der eidesstattlichen Versicherung finden entsprechende Anwendung.

 

§ 2057a BGB ‑ Ausgleichungspflicht bei besonderen Leistungen eines Abkömmlings

(1) Ein Abkömmling, der durch Mitarbeit im Haushalt, Beruf oder Geschäft des Erblassers während längerer Zeit, durch erhebliche Geldleistungen oder in anderer Weise in besonderem Maße dazu beigetragen hat, dass das Vermögen des Erblassers erhalten oder vermehrt wurde, kann bei der Auseinandersetzung eine Ausgleichung unter den Abkömmlingen verlangen, die mit ihm als gesetzliche Erben zur Erbfolge gelangen; § 2052 gilt entsprechend. Dies gilt auch für einen Abkömmling, der den Erblasser während längerer Zeit gepflegt hat.

(2) Eine Ausgleichung kann nicht verlangt werden, wenn für die Leistungen ein angemessenes Entgelt gewährt oder vereinbart worden ist oder soweit dem Abkömmling wegen seiner Leistungen ein Anspruch aus anderem Rechtsgrund zusteht. Der Ausgleichungspflicht steht es nicht entgegen, wenn die Leistungen nach den §§ 1619, 1620 erbracht worden sind.

(3) Die Ausgleichung ist so zu bemessen, wie es mit Rücksicht auf die Dauer und den Umfang der Leistungen und auf den Wert des Nachlasses der Billigkeit entspricht.

(4) Bei der Auseinandersetzung wird der Ausgleichungsbetrag dem Erbteil des ausgleichungsberechtigten Miterben hinzugerechnet. Sämtliche Ausgleichungsbeträge werden vom Wert des Nachlasses abgezogen, soweit dieser den Miterben zukommt, unter denen die Ausgleichung stattfindet.

Auszeichnungen:

Magazin FOCUS
Magazin Wirtschaftswoche

Fachbuchautor:

Beck Verlag
Linde Verlag - Stern-Ratgeber

Mitglied:

Netzwerk Deutscher Erbrechtsexperten e.V.
Netzwerk Deutscher Testamentsvollstrecker e.V.