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Testament-Ratgeber. Wichtige Punkte & Fragen

Formfragen & wichtige Punkte, die geklärt sein sollten

Alle Bürgerinnen und Bürger haben das Recht, zu Lebzeiten nach eigenen Vorstellungen und Vorlieben zu bestimmen, welche Personen oder auch Organisationen eines Tages ihren Nachlass erben sollen. Dieses Recht wird auch als „Testierfreiheit“ bezeichnet.

Für die Erstellung eines letzten Willens muss eine Person („der Testierende“) „geschäftsfähig“ sein, er kann das Dokument nur „höchstpersönlich“ errichten. Der Gesetzgeber unterscheidet zwischen privatschriftlichen (das heißt: „handschriftlichen“) und öffentlichen („notariellen“) Testamenten. Besonders wichtig ist auch die richtige Verwahrung eines Testamentes, damit es nicht von unbefugten Personen vernichtet werden kann.

 

Testierfähigkeit und Höchstpersönlichkeit

Alle Erwachsenen, die testierfähig sind, können ein rechtsgültiges Testament errichten. Jugendliche können bereits ab 16 Jahren ihren letzten Willen niederlegen, müssen dies jedoch beim Notar tun; das handschriftliche Testament eines 16- oder 17-Jährigen wäre ungültig. Menschen, die aufgrund einer Erkrankung oder nach einem Unfall nicht in der Lage sind, ihre Handlungen und Erklärungen zu verstehen, können kein gültiges Testament mehr errichten.

Tipp von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht und Spezialist für Testamentsgestaltung:

Liegt ein medizinischer Grenzfall vor, ist es sinnvoll, sich kurz vor Testamentserrichtung fachärztlich untersuchen zu lassen, um zu vermeiden, dass das Testament nach dem Tod mit dem Hinweis auf eine schwere geistige Erkrankung und nicht mehr gegebene Einsichtsfähigkeit angefochten wird.

Die Testamentserrichtung ist ein höchstpersönliches Rechtsgeschäft. Generell scheidet daher eine Vertretung durch Dritte aus. Es ist also nicht möglich, stellvertretend für einen anderen Menschen zu testieren.

 

Testament oder Erbvertrag?

Wer seinen letzten Willen niederlegen will, hat die Wahl zwischen folgenden Alternativen:

 

  • handschriftliches oder notarielles Testament
  • gemeinschaftliches Ehegattentestament
  • Erbvertrag

 

 

Das handschriftliche Testament

Viele Menschen wählen zu Recht die einfache traditionelle Form des Testaments. Sie schreiben mit der Hand auf ein Blatt Papier „Testament“ oder „Mein letzter Wille“, geben sodann – in mehr oder weniger leserlicher Schrift – bekannt, wer welche Gegenstände oder Geldbeträge bekommen soll, notieren Ort und Datum und setzen die Unterschrift unter dieses Dokument. Fertig ist das Testament? Nicht ganz – es gilt dabei einiges zu beachten. Um rechtsgültig zu sein, muss das Testament erstens von Anfang bis Ende handschriftlich verfasst und zweitens unterschrieben sein. Die Angabe von Ort und Datum ist nicht notwendig, aber sehr sinnvoll. Wenn eine Person über die Jahre mehrere widersprüchliche Testamente verfasst, ohne das Datum anzugeben, lässt sich später der „letzte Wille“ – also das zuletzt verfasste Testament – nicht mehr zweifelsfrei ermitteln. Streitigkeiten – auch vor Gericht – sind häufig die Folge.

 

Das öffentliche (notarielle) Testament

Die Errichtung eines notariellen Testaments läuft meist so ab: Der Notar fertigt von dem mündlich vorgetragenen letzten Willen eine Niederschrift an und liest sie dem Testierenden vor. Wenn keine Änderungen mehr gewünscht werden, unterschreiben beide, der Erblasser und der Notar. Das beurkundete Testament wird dem Erblasser in Abschrift zugesandt und das Original im Notariat verwahrt. Ebenfalls möglich ist es, dem Notar ein Dokument in einem offenen oder verschlossenen Umschlag zu übergeben und zu erklären, es handele sich um den letzten Willen. Das Dokument muss nicht handschriftlich geschrieben sein. Der Notar beurkundet sodann das Testament, das damit Rechtsgültigkeit erhält.

 

Aufbewahrungsort und Hinterlegung

Wer Wert darauf legt, dass das Testament nach dem Tod auch tatsächlich gefunden und beachtet wird, muss sich um einen sicheren Aufbewahrungsort und die leichte Auffindbarkeit kümmern. Die Aufbewahrung in einem Versteck, zum Beispiel im Umschlag eines Buches, ist nicht zu empfehlen, denn wenn die Angehörigen in diesem Umschlag nicht suchen und das Testament nicht finden, kann der letzte Wille nicht beachtet werden.

Tipp von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht und Spezialist für Testamentsgestaltung:

Die Hinterlegung in einem Banksafe stellt die Angehörigen, Freunde oder andere Erben ebenfalls vor ein gewaltiges Problem, denn um gegenüber der Bank nachweisen zu können, dass sie berechtigt sind, den Safe zu öffnen, müssen sie das Testament vorlegen.

Wer mit seinem Testament Personen enterbt, die nach der gesetzlichen Erbfolge zum Zuge gekommen wären, sollte dafür sorgen, dass nicht diese es sind, die das Originaldokument mit der niederschmetternden Botschaft auffinden. Ein unliebsames Stück Papier ist schnell spurlos verschwunden. Unproblematisch ist es dagegen, den Personen, die von einem Testament profitieren, schon zu Lebzeiten eine Kopie zu übergeben und zu vermerken, wo sich das Original befindet. Auch mündliche und schriftliche Hinweise gegenüber den eigenen Kindern oder nahestehenden Freunden, wo das Testament aufzufinden ist, sind sinnvoll. Während die Aufbewahrung zu Hause immer mit einer gewissen Unsicherheit verbunden ist, geht man mit der Hinterlegung beim Amtsgericht auf Nummer sicher. Die Kosten für diese Dienstleistung hängen vom Nachlasswert ab und sind relativ gering.

Tipp von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht und Spezialist für Testamentsgestaltung:

Viele Testamente sind fehlerhaft oder enthalten Bestimmungen, die unklar oder für die Erben ungünstig sind. Oftmals werden mögliche Steuervorteile aus Unwissenheit verschenkt. Wer handschriftlich testiert, sollte sich von einem Erbrechtsexperten beraten lassen. Es empfiehlt sich in diesem Fall, einen Entwurf des geplanten Testaments zur Beratung mitzubringen.

 

Das Ehegattentestament

In einem gemeinschaftlichen Testament können Ehepartner ihre Vermögensnachfolge aufeinander abstimmen (Einzelheiten dazu finden sie hier). Eine häufig gewählte Variante des gemeinschaftlichen Testaments ist das sogenannte „Berliner Testament“. Damit setzen sich die Ehegatten als Alleinerben und andere Personen – in der Regel die eigenen Kinder – als Schlusserben ein. Das privatschriftliche Ehegattentestament ist gültig, wenn es als „Letzter Wille“ oder „Testament“ bezeichnet ist, das gesamte Dokument mit der Handschrift von einem Partner niedergelegt wurde und sodann beide Partner mit ihrer vollständigen Unterschrift dessen Gültigkeit bestätigen. Auch hier ist es ratsam, Datum und Ort zu ergänzen.

 

Der Erbvertrag

Mit einem Erbvertrag kann ein Erblasser entweder mit der eigenen Familie oder anderen familienfremden Personen vereinbaren, wer unter welchen Bedingungen den gesamten Nachlass oder Teile des Vermögens erhalten soll. Ein Erbvertrag erfordert die notarielle Form. Beide Vertragspartner müssen zur gleichen Zeit persönlich beim Notar anwesend sein und den Vertrag unterzeichnen. Ein Erbvertrag ist für beide Vertragspartner bindend. Nach Abschluss eines Erbvertrages kann der vertraglich gebundene Erblasser noch frei über sein Vermögen verfügen, jedoch aus dem vertraglich vererbten Vermögen keine Schenkungen mehr zum Nachteil des Vertragserben vornehmen. Da Änderungen an einem Erbvertrag nur einvernehmlich von beiden Vertragspartnern vorgenommen werden können, ist diese Form der letztwilligen Verfügung nur dann empfehlenswert, wenn es den Testierenden gerade auf diese Bindungswirkung ankommt. Das einseitige Testament ist flexibler, da der Erblasser es jederzeit ändern, ergänzen oder vernichten kann.

Tipp von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht und Spezialist für Testamentsgestaltung:

Überprüfen Sie alle zwei bis drei Jahre, ob Ihre letztwillige Verfügung noch aktuell und stimmig ist. Wenn der eingesetzte Erbe überraschenderweise vor Ihnen stirbt, können Sie andere Personen als Erben einsetzen. Änderungen können auch dann erforderlich sein, wenn sich die Zusammensetzung Ihres Vermögens geändert hat.



Auszeichnungen:

Magazin FOCUS
Magazin Wirtschaftswoche

Fachbuchautor:

Beck Verlag
Linde Verlag - Stern-Ratgeber

Mitglied:

Netzwerk Deutscher Erbrechtsexperten e.V.
Netzwerk Deutscher Testamentsvollstrecker e.V.