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Berliner Testament und Ehegattentestament

Die meisten Ehepartner betrachten ihr Vermögen als gemeinsames Eigentum, obwohl ihre Vermögen auch nach der Eheschließung rechtlich vollständig getrennt bleiben. Doch die Stunde der Wahrheit kommt, wenn das Nachlassgericht neben dem Ehepartner auch Kinder oder andere Verwandte als rechtmäßige Erben in den Erbschein aufnimmt. Mit einem Ehegattentestament kann man solche Überraschungen ausschließen. Weit verbreitet ist der Wunsch, dass die eigenen Kinder oder nahe Verwandte das Vermögen erst nach dem Tod des länger lebenden Ehepartners erben sollen.

Der Fachanwalt für Erbrecht, Bernhard F. Klinger, rät Ehepartnern deshalb, ein „Berliner Testament“ zu errichten, den überlebenden Ehegatten als Alleinerben, Vorerben oder Vermächtnisnehmer einzusetzen und die Kinder für den zweiten Erbfall zu begünstigen.





Fragen und Antworten

Die Ziele eines Ehegattentestament Die Form des Ehegattentestaments Der Inhalt eines Ehegattentestaments Tipps zur Fehlervermeidung bei der Testamentserstellung Wichtige Gesetze
Die Ziele eines Ehegattentestament

Warum sollte auch in einer funktionierenden Ehe die Erbfolge durch Testament geregelt werden?

Ohne letztwillige Verfügung (Testament oder Erbvertrag) greift gesetzliche Erbfolge ein, die verschiedene Nachteile hat:

  • Die wirtschaftlichen Folgen der gesetzlichen Erbfolge entsprechen oft nicht dem Willen des Erblassers. Eine besondere Fürsorge für schwächere Familienmitglieder ist nicht möglich.
  • Der überlebende Ehepartner und die Kinder des Erblassers bilden eine so genannte Erbengemeinschaft, bei der jedem Erben nur ein Anteil am Nachlass gehört. Dies bedeutet, dass nur alle Erben gemeinsam über den Nachlass verfügen können und dem einzelnen Mitglied der Erbengemeinschaft nicht automatisch einzelne Gegenstände zustehen. Die Miterben müssen sich deshalb über die Verwaltung und Nutzung des Nachlasses einigen. Da der Ehegatte mit Ausnahme des Vorauses nicht die alleinige Verfügungsgewalt über den Nachlass hat, ist er unzureichend versorgt.
  • Die Kinder des Erblassers können vom überlebenden Ehegatten jederzeit verlangen, dass der Nachlass geteilt wird. Verfügt der Ehegatte aber nicht über genügend Barmittel, um die Kinder auszuzahlen, können diese eine Nachlassteilung erzwingen. Dies kann beispielsweise zur Teilungsversteigerung des Hauses führen.
  • Auch wenn die Kinder darauf verzichten, sich ihren Erbteil auszahlen zu lassen und die Erbengemeinschaft weiter fortgesetzt wird, besteht für den überlebenden Ehegatten immer der Zwang zur Einigkeit mit den Kindern.
  • Die Möglichkeiten, die Erbschaftsteuer zu minimieren, werden ohne Testament regelmäßig vernachlässigt.
  • Gehört zum Nachlass ein Unternehmen, wird dessen Existenz durch die oftmals auftretende Handlungsunfähigkeit einer Erbengemeinschaft gefährdet. Wichtige unternehmerische Entscheidungen können deshalb nicht oder nur mit erheblicher Verzögerung getroffen werden. Hierdurch kann die Versorgung des überlebenden Ehegatten erheblich gefährdet werden.

Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Die oben beschriebenen Nachteile können nur vermieden werden, wenn der verheiratete Erblasser durch ein klar formuliertes Testament oder einen Erbvertrag vorsorgt.

Die Form des Ehegattentestaments

In welcher Form kann ein gemeinschaftliches Testament errichtet werden?

Ehegatten und gleichgeschlechtliche eingetragene Lebenspartner können ein „gemeinschaftliches Testament“ in notarieller oder privatschriftlicher Form errichten. Im Fall einer handschriftlichen Errichtung  ist es gemäß § 2267 BGB ausreichend, wenn einer der Partner den Text mit der Hand schreibt und dann beide unterzeichnen.

Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Gerade für deutsche Ehegatten, die Vermögen im Ausland haben oder mit einem Ausländer verheiratet sind, ist erbrechtlich größte Vorsicht geboten. Vornehmlich in romanischen Staaten, etwa in Italien, wird weder das gemeinschaftliche Ehegattentestament noch ein Erbvertrag anerkannt. Probleme können sich aber auch im Hinblick auf die ehelichen Güterstände eines anderen Staates ergeben. Hier schützt nur eine Beratung durch einen Fachanwalt für Erbrecht vor unangenehmen Überraschungen.

Der Inhalt eines Ehegattentestaments

Welchen Inhalt kann ein gemeinschaftliches Testament haben?

Den Ehegatten stehen verschiedene Möglichkeiten der testamentarischen Nachlassregelung zur Verfügung. Der überlebende Ehegatte kann eingesetzt werden als

Welche Vor- und Nachteile hat die Einsetzung des Ehegatten als Alleinerben?

Die Ehepartner werden sich im Regelfall in Form eines gemeinschaftlichen Testamentes (§ 2269 BGB) wechselseitig zu Alleinerben einsetzen und nach dem Tode des Längerlebenden die gemeinsamen Kinder als Schlusserben bestimmen (so genanntes „Berliner Testament“). Von Vorteil ist, dass das Vermögen erst einmal uneingeschränkt auf den überlebenden Ehegatten übergeht. Hierdurch erhält er die alleinige Entscheidungsfreiheit über die Verwaltung, Nutzung und Veräußerung der Nachlassimmobilien.

Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Die Frage, wer nach dem Tod des überlebenden Ehegatten das gemeinsame Vermögen erben soll, müssen die Eheleute in ihrem Testament festlegen, ansonsten würde nach dem Tod des längerlebenden Ehegatten die gesetzliche Erbfolge eingreifen. Erforderlich ist deshalb eine „Schlusserbenregelung“, die im Regelfall zu Gunsten der Abkömmlinge erfolgt. Anstelle der Kinder können die Eheleute auch Personen aus der Verwandtschaft, eine kirchliche Stiftung, karitative Vereinigung, einen Verein oder Verband oder sonstige Organisationen als Schlusserben einsetzen.

Ein Nachteil der Alleinerbeneinsetzung des anderen Ehegatten ist, dass die Abkömmlinge im ersten Erbfall enterbt sind und deshalb einen Pflichtteilsanspruch oder Pflichtteilsergänzungsanspruch gegen den überlebenden Ehegatten geltend machen können. Bei größeren Nachlässen ist weiter von Nachteil, dass diese Form des Ehegattentestaments eine Steuerfalle darstellen kann.

Einen Mustertext für die Anordnung einer Voll- und Schlusserbschaft finden Sie hier.

Welche Vor- und Nachteile hat die Einsetzung des Ehegatten als Vorerben?

Nach einer anderen Variante des Ehegattentestaments wird der überlebende Ehegatte als „Vorerbe“ und die Kinder als „Nacherben“ eingesetzt. Der Nachlass des verstorbenen Ehegatten bildet dann ein Sondervermögen, über das der überlebende Ehegatte zu Lebzeiten nur in engen Grenzen verfügen kann: Schenkungen sind generell nicht zulässig und Nachlassimmobilien dürfen weder veräußert noch belastet werden. Vorteil dieser Lösung ist die Sicherung des Erbes für die gemeinsamen Kinder. Es ist aber möglich, dass der Erblasser den Vorerben teilweise von diesen Beschränkungen befreit. Von Nachteil ist die stark eingeschränkte Handlungsfähigkeit des überlebenden Ehegatten. Im Notfall (etwa bei Liquiditätsengpässen oder im Pflegefall) kann sich dies zu einem gravierenden Problem auswachsen.

Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Die Anordnung einer Vor- und Nacherbschaft ist rechtlich äußerst problematisch und sollten Sie deshalb nur nach eingehender Beratung durch einen Fachanwalt für Erbrecht vornehmen. So entstehen etwa steuerliche Nachteile, da sowohl bei Eintritt des Vorerbfalls als auch im Nacherbfall Erbschaftsteuer anfällt. Aufgrund der einschneidenden Verfügungsbeschränkung des Vorerben wird oftmals auch der Familienfrieden gestört, da einem juristischen Laien die vielfältigen Verpflichtungen des Vorerben nicht bekannt sind und zwischen Vor- und Nacherben häufig über die Verwaltung der Vorerbschaft gestritten wird.

Einen Mustertext zur Anordnung einer befreiten Vor- und Nacherbschaft finden Sie hier.

Welche Vor- und Nachteile hat die Einsetzung des Ehegatten als Vermächtnisnehmer?

Alternativ zur Erbeneinsetzung des Ehegatten können auch das oder die Kinder als Erben bestimmt und dem Ehepartner im Rahmen eines Vermächtnisses ein Wohn- oder Nießbrauchsrecht zugewendet werden.

Von Vorteil ist, dass hierdurch verhindert wird, dass die Kinder Pflichttteisansprüche gegen den überlebenden Ehegatten geltend machen können. Auch die Nachteile der bei gesetzlicher Erbfolge eingreifenden Erbengemeinschaft werden für den überlebenden Ehegatten vermieden. Diese Lösung hat aber für den überlebenden Ehegatten auch Nachteile: Das Wohn- oder Nießbrauchsrecht stellt zwar eine relativ gute Absicherung für den überlebenden Ehegatten dar; dieser kann bei einer Erbeinsetzung der Kinder über Nachlassgegenstände aber weder verfügen noch diese belasten.

Einen Mustertext zur Anordnung eines Vermächtnisses zugunsten des längerlebenden Ehegatten finden Sie hier.

Worin unterscheidet sich ein gemeinschaftliches Testament von einem Einzeltestament?

In einem Ehegattentestament können gemäß § 2270 BGB so genannte „wechselbezügliche Verfügungen" getroffen werden, die in ihrem rechtlichen Bestand voneinander abhängen:

  • Eingeschränkter Widerruf zu Lebzeiten: Ist die eine wechselbezügliche Verfügung nichtig oder widerrufen worden, gilt dies automatisch auch für die andere Verfügung. Der Widerruf einer wechselbezüglichen Verfügung zu Lebzeiten beider Ehegatten kann nur durch notariell beurkundete Erklärung erfolgen und muss dem anderen Ehegatten zugehen. Der einseitige Widerruf einer wechselbezüglichen Verfügung ist also ungültig, wenn der andere Ehepartner davon nichts (in der vorgeschriebenen Form) erfährt.
  • Bindungswirkung mit dem ersten Erbfall: Eine der wichtigsten Wirkungen des Ehegattentestamentes ist, dass mit dem Tode eines Ehegatten der überlebende Ehegatte seine wechselbezügliche Verfügung nicht mehr widerrufen kann, es sei denn, die Eheleute haben sich dies in ihrem Testament vorbehalten. Will der Witwer oder die Witwe seine eigene Verfügung wieder rückgängig machen, bleibt ihm nur die Möglichkeit, das ihm selbst durch Testament Zugewendete innerhalb einer Sechs-Wochenfrist auszuschlagen. In einigen Ausnahmefällen kann der überlebende Ehegatte seine eigene wechselbezügliche Verfügung binnen Jahresfrist anfechten (z.B. wenn er wieder heiratet oder aus seiner 2. Ehe Kinder hervorgehen).

Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Im Ehegattentestament sollte ausdrücklich festgelegt werden, ob die Verfügungen wechselbezüglich und damit bindend sind oder der überlebende Ehegatte befugt ist, von einer ursprünglich getroffenen Schlusserbenregelung nach seinem Gutdünken abzuweichen. Dies kann erforderlich werden, wenn z.B. eine Person aus der Verwandtschaft bedürftig wird und der Witwer bzw. die Witwe diesem Verwandten (z.B. für erbrachte Pflegleistungen) etwas zukommen lassen möchte.

Einen Mustertext zur Regelung der Bindungswirkung bzw. zur Anordnung eines Abänderungsvorbehalts finden Sie hier.

Kann der Erblasser die Bindungswirkung eines gemeinschaftlichen Testaments durch lebzeitige Schenkungen unterlaufen?

Der überlebende Ehegatte versucht oftmals die vom Gesetzgeber angeordnete Bindungswirkung eines Ehegattentestaments dadurch zu unterlaufen, indem er seinen späteren Nachlass oder Teile hiervon durch lebzeitige Schenkungen schmälert und dieses Vermögen nicht denjenigen Personen zuwendet, die im Ehegattentestament benannt sind, sondern hiervon abweichend.

Nach der Rechtsprechung müssen diese Zuwendungen nach dem Tod des Schenkers an dessen Erben dann in entsprechender Anwendung des § 2287 BGB zurückgegeben werden, wenn dieser für die Vornahme der Schenkung kein so genanntes „lebzeitiges Eigeninteresse“ hatte. Die Schenkung ist also nur dann bestandsfest, wenn der Witwer oder die Witwe den Beschenkten für bisher erbrachte Pflege belohnen, einen Anreiz für zukünftige Pflege geben oder dessen Altersversorgung sicherstellen wollen.

Was versteht man unter einem Berliner Testament?

Das „Berliner Testament“ ist eine besondere Form des Ehegattentestamentes und bedeutet, dass sich die Eheleute zunächst gegenseitig und anschließend die Kinder als Erben einsetzen (§ 2269 BGB). Die Wirkungen dieses Testamentes sind sehr unterschiedlich:

  • Der überlebende Ehegatte kann nach einer Alternative des Berliner Testamentes als alleiniger „Vollerbe“ und die Kinder als „Schlusserben“ bestimmt werden. Das Vermögen geht dann erst einmal uneingeschränkt auf den überlebenden Ehegatten über, der hierüber zu Lebzeiten frei verfügen kann.
  • Nach einer anderen Alternative wird der überlebende Ehegatte als „Vorerbe“ und die Kinder als „Nacherben“ eingesetzt.

Welche Variante des Berliner Testamentes von den Ehegatten gewollt war, muss durch Auslegung ermittelt werden.

Wieso besteht beim Berliner Testament ein Pflichtteilsrisiko?

Eine Gefahr des Berliner Testamentes ist die Belastung des überlebenden Ehegatten mit Pflichtteilsansprüchen: Die gegenseitige Alleinerbeneinsetzung der Ehegatten bedeutet gleichzeitig eine Enterbung der Kinder für den ersten Erbfall. Besteht der Nachlass z.B. überwiegend aus einer Immobilie, führt der durch die Enterbung entstehende Pflichtteilsanspruch oder Pflichtteilsergänzungsanspruch der Kinder u.U. zu Liquiditätsproblemen mit der Folge, dass das Haus verkauft werden muss, um den Pflichtteil auszahlen zu können. Dem überlebenden Ehegatten kann damit die Lebensgrundlage für den Alters- und Pflegefall entzogen werden. Die Eltern sollten deshalb noch zu Lebzeiten versuchen, mit den Kindern einen Pflichtteilsverzicht, ggf. gegen Zahlung einer Abfindung im Rahmen eines notariell zu beurkundenden Vertrages zu vereinbaren.

Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Sind die Kinder nicht bereit, auf ihren Pflichtteil zu verzichten, sollten Sie zumindest so genannte Pflichtteilsklauseln in Ihr Testament aufnehmen. Durch diese Anordnungen wird dasjenige Kind, das beim Tod des ersten Ehegatten seinen Pflichtteil verlangt, auch für den Tod des überlebenden Ehegatten enterbt und erhält dann wieder nur den Pflichtteil.

Einen Mustertext zur Anordnung einer Pflichtteilsklausel finden Sie hier.

Wozu dient eine testamentarische Wiederverheiratungsklausel?

Nicht selten heiratet die Witwe bzw. der Witwer nach dem Tod des Ehegatten wieder. Da der neue Ehegatte mit der Eheschließung erb- und pflichtteilsberechtigt am Nachlass der wiederverheirateten Witwe bzw. Witwers wird, besteht für die im gemeinschaftlichen Testament eingesetzten Schlusserben (im Regelfall also die Kinder) die Gefahr, dass hierdurch Vermögen an den neuen Ehepartner abfließt und so der spätere Nachlass zu Lasten der Kinder geschmälert wird.

Testierende Eheleute, die dies verhindern wollen, können in ihr Testament eine so genannte Wiederverheiratungsklausel aufnehmen. Danach soll der Nachlass ganz oder teilweise bereits dann auf die Schlusserben übergehen, wenn der überlebende Ehegatte eine neue Ehe eingeht. Ziel einer derartigen testamentarischen Anordnung ist es, das Eigenvermögen der Witwe bzw. des Witwers rechtlich zu trennen vom Nachlass mit der Folge, dass der neue Ehepartner nur am Eigenvermögen, aber nicht am Nachlass Erb- oder Pflichtteilsrechte geltend machen kann. In der Praxis wird dies erreicht durch eine bedingte Vor- und Nacherbschaft bzw. durch ein Herausgabevermächtnis.

Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Die rechtliche Konstruktion einer Wiederverheiratungsklausel ist außerordentlich kompliziert und hängt insbesondere davon ab, welche Gestaltungsvariante die Eheleute für ihr gemeinschaftliches Testament gewählt haben. Es empfiehlt sich deshalb zwingend den Rat eines Fachanwalts für Erbrecht einzuholen.

Welche Auswirkungen hat eine Scheidung auf ein früher errichtetes Ehegattentestament?

Die Wirksamkeit einer letztwilligen Verfügung zugunsten des Ehegatten ist davon abhängig, ob die Ehe, wenn der Erblasser stirbt, noch besteht. Ein Ehegattentestament kann aber ausnahmsweise die Ehe überdauern, wenn sich entweder aus dem Wortlaut des Testamentes oder durch Auslegung ergibt, dass der Erblasser den Ehegatten auch im Falle der Scheidung bedenken wollte. Um Auslegungsstreitigkeiten von vorneherein auszuschließen, sollte im Testament ausdrücklich festgelegt werden, ob die Verfügung auch bei Eintritt der Scheidung wirksam bleiben soll oder nicht.

Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Wer sich scheiden lässt und sich Klarheit über seine bisher verfassten letztwilligen Verfügungen verschaffen will, ist gut beraten, nach Abschluss des Scheidungsverfahrens durch einen Fachanwalt für Erbrecht überprüfen zu lassen, ob dem früheren Ehegatten ein testamentarisches Erbrecht zusteht.

Einen Mustertext zur Regelung der Scheidungsfolgen finden Sie hier.

Tipps zur Fehlervermeidung bei der Testamentserstellung

Wichtige Tipps zur Fehlervermeidung beim Berliner Testament

Ehegatten legen ihren letzten Willen häufig in der Weise nieder, dass für den ersten Erbfall der längerlebende Ehegatte als Alleinerbe eingesetzt wird und für den zweiten Erbfall die gemeinsamen Kinder als Schlusserben bestimmt werden. Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München weiß, dass sich dieses sogenannte Berliner Testament bei Ehepaaren mit Kindern großer Beliebtheit erfreut. Der längerlebende Ehegatte wird umfassend wirtschaftlich abgesichert und die Erbeinsetzung der Kinder zu gleichen Teilen entspricht dem Gerechtigkeitsempfinden vieler Eltern. Die Praxis zeigt aber, dass gerade juristische Laien sich über die besonderen Wirkungen eines Berliner Testamentes nicht bewusst sind und viele wichtige Klauseln gar nicht kennen.

Erbrechtsexperte Klinger erklärt deshalb in diesem Beitrag folgende Fragen:

  • In welcher Form kann ein Berliner Testament errichtet werden?
  • Wie kann ein Berliner Testament formuliert werden?
  • Welche Hinterlegungsmöglichkeiten bestehen für ein Berliner Testament?
  • Wer ist bei einem Berliner Testament Ersatzerbe, falls eines der Kinder vor Eintritt des zweiten Erbfalls stirbt?

Form des Berliner Testamentes

Testamente (also Einzeltestamente oder gemeinschaftliche Testamente von Ehegatten) können entweder eigenhändig oder in notarieller Form errichtet werden. Beide Varianten entfalten die identische Wirkung und unterscheiden sich nur im Hinblick auf den Zeit- und Kostenaufwand. Der klassische Fall der Errichtung eines Berliner Testamentes ist, dass ein Ehegatte den gesamten Text des Testamentes eigenhändig schreibt, diesen Text dann – mit Ort, Datum versehen – unterzeichnet und im Anschluss daran der andere Ehegatte handschriftlich vermerkt: „Dies ist auch mein letzter Wille“ und wiederum mit Ort, Datum, Vor- und Familienname unterzeichnet.

Mustertext für ein Berliner Testament

Ein einfaches Berliner Testament könnte wie folgt lauten:

„Wir, die Ehegatten ………., setzen uns im ersten Erbfall gegenseitig zu Alleinerben ein. Im zweiten Erbfall erben unsere Kinder zu gleichen Teilen.“

Expertentipp:

Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München, weist darauf hin, dass spätere Ergänzungen des Ehegattentestamentes, die jederzeit möglich sind, wiederum von beiden Eheleuten mit Ort, Datum, Vor- und Familienname unterzeichnet werden müssen. Diese Ergänzung kann entweder am Ende des Originals des früheren Ehegattentestamentes oder auf einem gesonderten Schriftstück erfolgen.

Hinterlegung und Registrierung des Berliner Testamentes

Ein eigenhändiges Testament kann in amtliche Verwahrung beim örtlich zuständigen Nachlassgericht gegeben werden. In diesem Fall wird das eigenhändige Berliner Testament von Amts wegen beim Zentralen Testamentsregister registriert.

Expertentipp:

Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München, meint, dass eine Hinterlegung beim Nachlassgericht und eine Registrierung im Zentralen Testamentsregister sinnvoll, aber nicht zwingend erforderlich ist: Die Familienangehörigen, insbesondere der längerlebende Ehegatte hat nämlich ein nachvollziehbares Interesse daran, dass das Originaltestament bei Eintritt des ersten Erbfalls dem Nachlassgericht übergeben wird. Die Gefahr, dass ein Testament von „interessierter Seite“ beseitigt und so der Prüfung des Nachlassgerichts entzogen wird, stellt sich in der Praxis eher, wenn alleinstehende Personen Einzeltestamente zu Gunsten von familienfremden Personen oder caritativen Organisationen errichten. Hier beseht das reale Risiko, dass aus dem Kreis der weiteren Verwandten ein Testament in der Wohnung oder dem Haus des Erblassers gesucht und beseitigt wird, mit der Folge, dass dann letztlich wieder die gesetzliche Erbfolge gilt.

Bestimmung eines Ersatzerben für den zweiten Erbfall

Eltern, die für den Fall des eigenen Ablebens Vorsorge durch ein Testament treffen wollen, bedenken oft nicht, dass eines der Kinder im zweiten Erbfall bereits verstorben (z.B. anlässlich eines Unfalls) sein könnte. Im gemeinschaftlichen Testament sollte deshalb geklärt werden, wer Erbe mit welcher Erbquote wird, wenn allein einer der Schlusserben vorverstorben oder – aus persönlichen oder finanziellen Gründen – die Schlusserbschaft ausgeschlagen hat.

Eine derartige Ersatzerbenklausel könnte wie folgt lauten:

„Ersatzerben sind die Abkömmlinge unserer Kinder nach den Regelungen der gesetzlichen Erbfolge. Wiederum ersatzweise soll – zunächst innerhalb eines Stammes – Anwachsung eintreten.“

 „Anwachsung“ bedeutet dabei, dass der Erbteil des weggefallenen Erben den übrigen Schlusserben nach dem Verhältnis ihrer Erbteile zufällt. Dies erläutert Erbrechtsexperte Klinger an folgendem Beispiel: Schlusserben sind die vier Kinder A, B, C und D der Eheleute untereinander zu gleichen Erbteilen. Sollte Kind A bei einem Verkehrsunfall verstorben und zwei Kinder E und F hinterlassen haben, so wird eine Erbengemeinschaft entstehen aus den Kindern B, C, D mit einem Erbteil von je ¼ und den (Enkel-) Kindern E und F mit einem Erbteil von je 1/8. Sollte hingegen Kind A kinderlos vorverstorben sein, so würde sein Erbteil von ¼ den anderen Kindern B, C und D „anwachsen“, mit der Folge, dass eine Erbengemeinschaft bestehend aus den Kindern B, C, und D mit einer Erbquote von je 1/3 entsteht.

Expertentipp:

Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München, rät, in jedem Ehegattentestament immer auch zu regeln, wer Ersatzerbe für den Fall des Vorversterbens oder der Ausschlagung der Erbschaft sein soll.

Bindungswirkung oder Abänderungsvorbehalt?

Vielen testierenden Ehegatten ist nicht bewusst, dass ein Berliner Testament unter Umständen zwischen dem ersten und zweiten Erbfall vom Witwer bzw. der Witwe nicht mehr abgeändert oder aufgehoben werden kann. Der Gesetzgeber vermutet nämlich gem. § 2270 BGB, dass die wechselseitige Alleinerbeneinsetzung der Ehegatten im ersten Erbfall einen rechtlichen Bezug für den zweiten Erbfall hat. Der Gesetzgeber spricht hier von sogenannten wechselbezüglichen Verfügungen, von denen anzunehmen ist, dass die Verfügung des einen Ehegatten (z.B. die Erbeinsetzung des längerlebenden Ehepartners) nicht ohne die Verfügung des anderen (z.B. die Schlusserbeneinsetzung der Kinder) getroffen sein würde. Haben die Eheleute in einem Testament derartige „wechselbezügliche“ Verfügungen getroffen, so ist der längerlebende Ehegatte gem. § 2271 BGB an die Schlusserbeneinsetzung der Kinder gebunden, kann diese also nicht mehr durch ein späteres Einzeltestament widerrufen oder abändern.

Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München, weiß aus seiner Beratungspraxis, dass diese Bindungswirkung eines Berliner Testamentes nur den wenigsten Eheleuten bei der Errichtung ihrer letztwilligen Verfügung bewusst ist. Er empfiehlt, die Frage der Wechselbezüglichkeit und damit der Bindungswirkung beim Beratungsgespräch ausführlich zu erörtern und im Ehegattentestament präzise niederzulegen. Nur so kann verhindert werden, dass später Streit unter den Angehörigen entsteht.

Testamentarischer Abänderungsvorbehalt

Eheleute, die bei der Errichtung eines Berliner Testamentes zwischen dem ersten und dem zweiten Erbfall an den ursprünglich gemeinsamen letzten Willen nicht gebunden sein wollen, können einen sogenannten Abänderungsvorbehalt in ihr Ehegattentestament aufnehmen. Hierfür stehen zahlreiche Gestaltungsalternativen zur Verfügung, die in ihren rechtlichen Konsequenzen ganz unterschiedlich sind und deshalb dringend einer ausführlichen Erörterung mit einem erfahrenen Fachanwalt für Erbrecht bedürfen.

Ein – einfach formulierter – Abänderungsvorbehalt könnte etwa lauten:

„Wir, die Eheleute … bestimmen, dass sämtliche Verfügungen in diesem Testament nicht wechselbezüglich sind, mit der Folge, dass der längerlebende Ehegatte die Schlusserbeneinsetzung unserer Kinder ganz oder teilweise aufheben und abändern kann.“

Expertentipp:

Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München, empfiehlt testierenden Ehegatten dringend, dass die Frage, ob ein Abänderungsvorbehalt und wenn ja, in welcher Gestaltungsvariante in das Testament aufgenommen wird, einer eingehenden vorherigen Beratung bedarf. Ansonsten kann das „Gesamtgefüge“ eines Berliner Testamentes ins Wanken geraten.

Rückabwicklung von Schenkungen nach dem Erbfall

Zu beachten ist, dass sich die Bindungswirkung eines Berliner Testamentes über die Erbfolge hinaus sich auch auf lebzeitige Schenkungen des Witwers oder der Witwe auswirken kann. § 2287 BGB bestimmt nämlich, dass Zuwendungen des längerlebenden Ehegatten nur an eines der Kinder oder an familienfremde Personen bei Eintritt des zweiten Erbfalls dann rückabzuwickeln sind, wenn es keinen vernünftigen Grund – die Rechtsprechung spricht von einem sogenannten „lebzeitigen Eigeninteresse“ – gibt. Den meisten Eheleuten ist aber nicht bekannt, dass eine derartige Rückabwicklung von Zuwendungen auch dann droht, wenn der Schenkungsgegenstand nicht aus dem Nachlass des erstversterbenden Ehegatten, sondern aus dem Eigenvermögen des Witwers oder der Witwe stammt.

Ausschluss der Testamentsanfechtung

Den wenigsten Ehegatten, die ein Testament errichten, ist bekannt, dass ihr letzter Wille in speziellen Konstellationen von dritter Seite angefochten werden kann. Dies ist etwa dann der Fall, wenn nach dem Erbfall bekannt wird, dass der Verstorbene ein nichteheliches Kind hinterlassen hat. Allgemein bekannt ist wohl, dass diesen nichtehelichen Kindern beim Tod des leiblichen Vaters oder der leiblichen Mutter ein Pflichtteilsanspruch, also ein Anspruch auf Geldzahlung gegenüber den Erben zusteht. Dem Laien in der Regel völlig unbekannt ist aber, dass dieses nichteheliche Kind gem. § 2079 BGB das Ehegattentestament durch Anfechtung beseitigen kann, mit der Folge, dass die gesetzliche Erbfolge greift bei der auch das nichteheliche Kind zum Kreis der Miterben gehört.

Ein Anfechtungsrecht kann sich auch ergeben, wenn der längerlebende Ehegatte erneut heiratet. Der zweite Ehegatte gehört nämlich zum Kreis der pflichtteilsberechtigten Personen und kann deshalb gem. § 2079 BGB die Anfechtung des früheren Ehegattentestamentes erklären.

Diese Anfechtungsmöglichkeiten gefährden den Bestand des Ehegattentestamentes und tragen erhebliches Streitpotential in sich.

Expertentipp:

Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München, empfiehlt einen – ganz legalen – Ausweg: Testierende Eheleute können nämlich das Anfechtungsrecht gem. § 2079 BGB ausschließen. Es reicht hierzu folgende Klausel in das Testament aufzunehmen:

„Eine Anfechtung gemäß § 2079 BGB wird hiermit ausgeschlossen.“

Begrenzung des Pflichtteilsrisikos beim Berliner Testament

Erbrechtsexperte Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München erklärt in diesem Beitrag, welche Möglichkeiten bestehen, bei einem Berliner Testament, die Pflichtteilshaftung des längerlebenden Ehegatten gegenüber den Kindern zu reduzieren.

Informationen zur Begrenzung des Pflichtteilsrisikos beim Berliner Testament finden Sie hier.

Anordnungen für die Nachlassteilung unter Miterben

Eltern können ihre Kinder durch ein Testament als Miterben für den Schlusserbfall einsetzen und gleichzeitig Vorgaben treffen, wie der Nachlass aufzuteilen ist oder auch die Teilung für einen gewissen Zeitraum untersagen.

So kann etwa einem Miterben das Wohnhaus und einem anderen Miterben das Geldvermögen per Teilungsanordnung zugewandt werden. Diese Vorgaben der verstorbenen Eltern müssen die Miterben dann bei der Nachlassteilung berücksichtigen und entsprechend umsetzen. Die testamentarische Teilungsanordnung wirkt sich aber nicht so aus, dass der einzelne Miterbe automatisch Eigentümer des ihm zugedachten Nachlassgegentandes wird. Vielmehr müssen die Miterben untereinander einen sogenannten Auseinandersetzungsvertragschließen, mit dem der letzte Wunsch der Eltern umgesetzt wird. Diese Vereinbarungen bedürfen bei Nachlassimmobilien der notariellen Beurkundung und können teilweise rechtlich sehr komplex sein. Gerade bei umfangreichen Nachlässen mit zahlreichen Teilungsanordnungen sind juristische Laien auf die Unterstützung eines Fachanwalts für Erbrecht zwingend angewiesen.

Risiko einer Ausgleichszahlung

Teilungsanordnungen sind aber auch noch aus einem anderen Grunde problematisch: Haben die Eltern z.B. ihr gemeinsames Vermögen von ca. € 600.000,00 ihren beiden Kindern als Miterben zu gleichen Teilen zugewandt und gleichzeitig bestimmt, dass der Sohn das Einfamilienhaus und die Tochter das sonstige Vermögen erhalten soll, können sich zwischen dem Zeitpunkt der Testamentserrichtung und dem Schlusserbfall die Werte der einzelnen Nachlassgegenstände nach oben oder unten verändern. So kann es etwa sein, dass der Sohn, der zur Hälfte als Miterbe eingesetzt war und damit wirtschaftlich einen Betrag von € 300.000,00 erhalten sollte, mit der Teilungsanordnung überhaupt nicht einverstanden ist, wenn das Einfamilienhaus beim Schlusserbfall weniger wert als, als bei der Errichtung des Testamentes. Gleiches gilt, wenn die Tochter, der ein Wertpapierdepot zugedacht war, beim Schlusserbfall feststellen muss, dass der Börsenwert „in den Keller gefallen“ ist. Derjenige Miterbe, der wirtschaftlich aufgrund der Teilungsanordnung weniger erhält, als ihm aufgrund seines Miterbenanteils zustehen würde, wird deshalb vom begünstigten Miterben die Zahlung eines Ausgleichs verlangen. Dieses Begehren findet im Gesetz und in der Rechtsprechung auch eine Grundlage. Teilungsanordnungen können also bei einer Wertverschiebung zwischen Testamentserrichtung und Schlusserbfall zu unkalkulierbaren Zahlungsverpflichtungen eines Miterben führen, mit der Folge, dass über die Höhe der Ausgleichszahlung wiederum Streit zwischen den Kindern entsteht.

Expertentipp:

Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München, rät deshalb testierenden Eheleuten, niemals ohne vorherige Beratung eines Erbrechtsexperten Teilungsanordnungen in das Ehegattentestament aufzunehmen. Die finanziellen Konsequenzen müssen gut bedacht und zusätzlich im Testament geregelt werden.

Auseinandersetzungsverbot

Eltern können in ihrem Testament auch bestimmen, dass die Teilung des Nachlasses insgesamt oder im Hinblick auf einzelne Nachlassgegenstände für eine gewisse Dauer (z.B. 10, 20 oder 30 Jahre) ausgeschlossen ist. Dies führt dazu, dass die zwischen den Kindern im Schlusserbfall entstehende Erbengemeinschaft für eine relativ lange Zeit festgeschrieben wird. Aus Sicht der Eltern kann dies z.B. dann Sinn machen, wenn einzelne Teile des Familienvermögens (z.B. ein Unternehmen oder Mietshaus) erhalten und ein voreiliger Verkauf vermieden werden soll. Zu bedenken ist dabei aber, dass die Kinder, die für einen längeren Zeitraum als Miterben sich in einer Zwangsgemeinschaft befinden, diesen Wunsch der Eltern nicht immer nachvollziehen können und rechtliche Schritte einleiten werden.

Expertentipp:

Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München, rät testierenden Eltern ein Teilungsverbot nur dann in ein Testament aufzunehmen, wenn die Vor- und Nachteile vorher mit den Familienmitgliedern erörtert und deren Wünsche und Interessen berücksichtigt worden sind.

Testamentsvollstreckung als effektives Mittel zur Streitvermeidung

In der Praxis hat sich gezeigt, dass die Einsetzung eines erfahrenen und neutralen Testamentsvollstreckers für die Teilung und Verwertung des Nachlasses die beste Möglichkeit ist, Streit unter den Kindern zu verhindern.

Bei der Testamentsvollstreckung handelt es sich um eine professionelle Nachlassabwicklung durch eine fachkundige, neutrale, objektive Vertrauensperson. Der Testamentsvollstrecker ist dabei Treuhänder des Erblassers. Er garantiert, dass der letzte Wille der Eltern nach dem Schlusserbfall exakt nach dem Wortlaut des Testamentes umgesetzt wird.

Ein erfahrener Testamentsvollstrecker spricht mit den als Schlusserben eingesetzten Kindern und beachtet ihre Sorgen, Ansprüche und Probleme. Er kümmert sich intensiv um einen Ausgleich der Interessen und vermittelt im Streitfall.

Mit der Testamentsvollstreckung ist auch eine erhebliche Arbeitsentlastung für die Miterben verbunden: Er führt die Korrespondenz mit dem Nachlassgericht, sichtet alle Unterlagen, erstellt ein Nachlassverzeichnis, klärt alle privaten und geschäftlichen Vertragsbeziehungen, zieht fällige Forderungen ein und begleicht offene Rechnungen, erfüllt Auflagen und Vermächtnisse und gibt für die Miterben nicht nur die Erbschaftsteuererklärung ab, sondern bezahlt auch die vom Finanzamt festgesetzte Erbschaftsteuer.

Die Testamentsvollstreckung dient aber auch dem Schutz von minderjährigen oder behinderten Kindern, da die Verwaltungs- und Verfügungsmacht ausschließlich beim Testamentsvollstrecker liegt.

Als Nebeneffekt der Testamentsvollstreckung stellt diese einen Schutz vor Gläubigern dar, da diese in den Nachlass der Eltern nicht vollstrecken können.

Expertentipp:

Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München, meint, dass eine Testamentsvollstreckung in vielen familiären Konstellationen das „Mittel der Wahl“ zur Streitvorsorge ist, aber von den Eltern nicht ohne vorherige Beratung angeordnet werden sollte. Im Testament müssen nämlich die Aufgaben des Testamentsvollstreckers präzise festgelegt, die Person des Testamentsvollstreckers ausgewählt und die Höhe der Testamentsvollstreckervergütung bestimmt werden. Hierbei können einem juristischen Laien viele Fehler unterlaufen. Eine schlecht formulierte Testamentsvollstreckungsanordnung schadet dann mehr, als sie Vorteile bringt.

Vorrang eines Schiedsgerichts vor den staatlichen Gerichten

Es müssen Eltern damit rechnen, dass ihre schon vor Eintritt des Erbfalls zerstrittenen Kinder uneinsichtig, missgünstig und oft sogar rachsüchtig gegenüber ihren Geschwistern sind, bleibt oft nur der Weg den unausweichlichen Erbprozess in die richtige Bahn zu lenken, nämlich Zuständigkeit der staatlichen Gerichte auszuschließen und eine Schiedsgerichtsklausel zu treffen. Die gesamte gerichtliche Auseinandersetzung wird dann – unter Ausschluss der Öffentlichkeit in nur einer Instanz – vor einem Schiedsgericht geführt. Die Schiedsrichter werden dabei selbst von den Beteiligten benannt. Das Schiedsgerichtsverfahren ist im Regelfall deutlich schneller beendet, als ein Erbprozess vor dem Landgericht und anschließendem Berufungsverfahren vor dem Oberlandesgericht.

Expertentipp:

Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München, empfiehlt eine testamentarische Schiedsgerichtsklausel nur als letztes Mittel der Wahl, wenn also alle anderen Gestaltungsmöglichkeiten zur Streitvermeidung nicht den erhofften Erfolg versprechen. Die Formulierung einer Schiedsgerichtsklausel gehört aber nicht in die Hände eines juristischen Laien, sondern muss von einem erfahrenen Erbrechtsexperten niedergelegt werden.

Wichtige Gesetze

Wichtige Gesetze zum Ehegattentestament und Berliner Testament

§ 2265 BGB ‑ Errichtung durch Ehegatten

Ein gemeinschaftliches Testament kann nur von Ehegatten errichtet werden.

§ 2267 BGB ‑ Gemeinschaftliches eigenhändiges Testament

Zur Errichtung eines gemeinschaftlichen Testaments nach § 2247 genügt es, wenn einer der Ehegatten das Testament in der dort vorgeschriebenen Form errichtet und der andere Ehegatte die gemeinschaftliche Erklärung eigenhändig mitunterzeichnet. Der mitunterzeichnende Ehegatte soll hierbei angeben, zu welcher Zeit (Tag, Monat und Jahr) und an welchem Ort er seine Unterschrift beigefügt hat.

§ 2269 BGB ‑ Gegenseitige Einsetzung

(1) Haben die Ehegatten in einem gemeinschaftlichen Testament, durch das sie sich gegenseitig als Erben einsetzen, bestimmt, dass nach dem Tode des Überlebenden der beiderseitige Nachlass an einen Dritten fallen soll, so ist im Zweifel anzunehmen, dass der Dritte für den gesamten Nachlass als Erbe des zuletzt versterbenden Ehegatten eingesetzt ist.

(2) Haben die Ehegatten in einem solchen Testament ein Vermächtnis angeordnet, das nach dem Tode des Überlebenden erfüllt werden soll, so ist im Zweifel anzunehmen, dass das Vermächtnis dem Bedachten erst mit dem Tode des Überlebenden anfallen soll.

§ 2270 BGB ‑ Wechselbezügliche Verfügungen

(1) Haben die Ehegatten in einem gemeinschaftlichen Testament Verfügungen getroffen, von denen anzunehmen ist, dass die Verfügung des einen nicht ohne die Verfügung des anderen getroffen sein würde, so hat die Nichtigkeit oder der Widerruf der einen Verfügung die Unwirksamkeit der anderen zur Folge.

(2) Ein solches Verhältnis der Verfügungen zueinander ist im Zweifel anzunehmen, wenn sich die Ehegatten gegenseitig bedenken oder wenn dem einen Ehegatten von dem anderen eine Zuwendung gemacht und für den Fall des Überlebens des Bedachten eine Verfügung zugunsten einer Person getroffen wird, die mit dem anderen Ehegatten verwandt ist oder ihm sonst nahe steht.

(3) Auf andere Verfügungen als Erbeinsetzungen, Vermächtnisse, Auflagen und die Wahl des anzuwendenden Erbrechts findet Absatz 1 keine Anwendung.

§ 2271 BGB ‑ Widerruf wechselbezüglicher Verfügungen

(1) Der Widerruf einer Verfügung, die mit einer Verfügung des anderen Ehegatten in dem in § 2270 bezeichneten Verhältnis steht, erfolgt bei Lebzeiten der Ehegatten nach den für den Rücktritt von einem Erbvertrag geltenden Vorschrift des § 2296. Durch eine neue Verfügung von Todes wegen kann ein Ehegatte bei Lebzeiten des anderen seine Verfügung nicht einseitig aufheben.

(2) Das Recht zum Widerruf erlischt mit dem Tode des anderen Ehegatten; der Überlebende kann jedoch seine Verfügung aufheben, wenn er das ihm Zugewendete ausschlägt. Auch nach der Annahme der Zuwendung ist der Überlebende zur Aufhebung nach Maßgabe des § 2294 und des § 2336 berechtigt.

(3) Ist ein pflichtteilsberechtigter Abkömmling der Ehegatten oder eines der Ehegatten bedacht, so findet die Vorschrift des § 2289 Abs. 2 entsprechende Anwendung.

§ 2272 BGB ‑ Rücknahme aus amtlicher Verwahrung

Ein gemeinschaftliches Testament kann nach § 2256 nur von beiden Ehegatten zurückgenommen werden.

§ 2274 BGB ‑ Persönlicher Abschluss des Erbvertrages

Der Erblasser kann einen Erbvertrag nur persönlich schließen.

§ 2275 BGB ‑ Voraussetzungen des Erbvertrages

(1) Einen Erbvertrag kann als Erblasser nur schließen, wer unbeschränkt geschäftsfähig ist.

(2) Ein Ehegatte kann als Erblasser mit seinem Ehegatten einen Erbvertrag schließen, auch wenn er in der Geschäftsfähigkeit beschränkt ist. Er bedarf in diesem Falle der Zustimmung seines gesetzlichen Vertreters; ist der gesetzliche Vertreter ein Vormund, so ist auch die Genehmigung des Familiengerichts erforderlich.

(3) Die Vorschriften des Absatzes 2 gelten entsprechend für Verlobte, auch im Sinne des Lebenspartnerschaftsgesetzes.

§ 2276 BGB ‑ Form des Erbvertrages

(1) Ein Erbvertrag kann nur zur Niederschrift eines Notars bei gleichzeitiger Anwesenheit beider Teile geschlossen werden. Die Vorschriften der § 2231 Nr. 1 und der §§ 2232, 2233 sind anzuwenden; was nach diesen Vorschriften für den Erblasser gilt, gilt für jeden der Vertragschließenden.

(2) Für einen Erbvertrag zwischen Ehegatten oder zwischen Verlobten, der mit einem Ehevertrag in derselben Urkunde verbunden wird, genügt die für den Ehevertrag vorgeschriebene Form.

§ 2286 BGB ‑ Verfügungen unter Lebenden

Durch den Erbvertrag wird das Recht des Erblassers, über sein Vermögen durch Rechtsgeschäft unter Lebenden zu verfügen, nicht beschränkt.

§ 2287 BGB ‑ Den Vertragserben beeinträchtigende Schenkungen

(1) Hat der Erblasser in der Absicht, den Vertragserben zu beeinträchtigen, eine Schenkung gemacht, so kann der Vertragserbe, nachdem ihm die Erbschaft angefallen ist, von dem Beschenkten die Herausgabe des Geschenks nach den Vorschriften über die Herausgabe einer ungerechtfertigten Bereicherung fordern.

(2) Die Verjährungsfrist des Anspruchs beginnt mit dem Erbfall.

§ 2289 BGB ‑ Wirkung des Erbvertrags auf letztwillige Verfügungen; Anwendung von § 2338

(1) Durch den Erbvertrag wird eine frühere letztwillige Verfügung des Erblassers aufgehoben, soweit sie das Recht des vertragsmäßig Bedachten beeinträchtigen würde. In dem gleichen Umfang ist eine spätere Verfügung von Todes wegen unwirksam, unbeschadet der Vorschrift des § 2297.

(2) Ist der Bedachte ein pflichtteilsberechtigter Abkömmling des Erblassers, so kann der Erblasser durch eine spätere letztwillige Verfügung die nach § 2338 zulässigen Anordnungen treffen.

§ 2291 BGB ‑ Aufhebung durch Testament

(1) Eine vertragsmäßige Verfügung, durch die ein Vermächtnis oder eine Auflage angeordnet sowie eine Rechtswahl getroffen ist, kann von dem Erblasser durch Testament aufgehoben werden. Zur Wirksamkeit der Aufhebung ist die Zustimmung des anderen Vertragschließenden erforderlich; die Vorschrift des § 2290 Abs. 3 findet Anwendung.

(2) Die Zustimmungserklärung bedarf der notariellen Beurkundung; die Zustimmung ist unwiderruflich.

§ 2292 BGB ‑ Aufhebung durch gemeinschaftliches Testament

Ein zwischen Ehegatten oder Lebenspartnern geschlossener Erbvertrag kann auch durch ein gemeinschaftliches Testament der Ehegatten oder Lebenspartner aufgehoben werden; die Vorschrift des § 2290 Abs. 3 findet Anwendung.

§ 2293 BGB ‑ Rücktritt bei Vorbehalt

Der Erblasser kann von dem Erbvertrag zurücktreten, wenn er sich den Rücktritt im Vertrag vorbehalten hat.

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